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Kopp-Verlag : Auf dem Heimatplaneten für rechtsextreme Ufologen

Kosmischer Kampf von Gut und Böse

Der Ufologen aus Ostdeutschland wirft ein: „Jetzt haben wir ja nur über die Bösen geredet. Wo sind denn die Guten? Der wahre Kampf zwischen Gut und Böse findet doch im Kosmos statt.“ Ein Geschäftsführer sagt: „Wenn das jetzt die Systempresse hören würde, dann würden die sich nur wieder lustig machen. Ich bin auch skeptisch bei diesen kosmischen Sachen, man sollte es aber diskutieren.“

In der Gewalt von Schattenorganisationen: Freimaurer sind ein besonders beliebter mutmaßlicher Verursacher von Katastrophen und Missstände.
In der Gewalt von Schattenorganisationen: Freimaurer sind ein besonders beliebter mutmaßlicher Verursacher von Katastrophen und Missstände. : Bild: dpa

Der Mann aus Ostdeutschland erwidert: „Es gibt gute Personen, zum Beispiel den Geistheiler Sananda.“ Wenn dessen Geist sich einer Wunde nähere, schließe diese sich von selbst. Niemand widerspricht oder stellt eine dieser Behauptungen in Frage. Es lacht auch keiner. Alle fühlen sich als Systemopposition, deshalb scheint auch alles erlaubt zu sein. Auch Zweifel an der Zahl der Opfer des Holocaust werden geäußert. Illuminaten, Freimaurer, „Frankisten“ würden die Welt beherrschen. „Jeder, der im System bleiben will, muss seinen Arsch verkaufen“, bilanziert ein ehemaliger Marketing-Manager. Gerhard Schröder, der frühere Bundeskanzler, sei wahrscheinlich „vom KGB hochgezogen“ worden. Merkwürdigerweise wird der Mann bei dieser Aussage etwas vorsichtiger: „Das weiß ich jetzt nicht so genau, da muss ich spekulieren.“ Unter Juden und Freimaurern habe es ja immer wieder auch „satanische Messen“ mit sexuellen Ausschweifungen gegeben, sagt er. Eine Frau, die mit einem Cappuccino an der fröhlichen Männerrunde vorbeigeht, horcht sofort auf. „Satanische Messen, das ist ja interessant“, sagt sie und setzt sich dazu. Seit 1776, sagt der Marketingfachmann, werde die Masse instrumentalisiert von einer kleinen Gruppe, das werde verschwiegen. „Wir werden in den Kopf gefickt.“ Es ertönt der Gong, die Stadthalle füllt sich wieder.

Es folgen Referate zur „Öl-Geopolitik“ und zur „perfiden Agenda hinter der Flüchtlingskrise“. Beim Kopp-Verlag wird pausenlos Geheimwissen enthüllt, aber selten etwas hinterfragt. Als Nächster spricht Daniele Ganser. Sein Vortrag ist nach dem Schema eines Methodistenpredigers aufgebaut. Als festes Element für die Zuhörer gibt es immer wieder einen Satz, an dem sich alle festhalten sollen: „Das Leben ist heilig.“ Ganser hält Islamisten nicht für die Täter des Anschlags auf das World Trade Center. Er glaubt, dass die Amerikaner in der Ukraine einen Stellvertreterkrieg führen und auch die ukrainische Regierung installiert haben könnten. In der Schweiz betreibt er ein Ein-Mann-Friedensforschungsinstitut, für einen Vortrag nimmt er 5000 Franken. Ein deutscher Politikwissenschaftler nannte Ganser einmal einen „Wissenschaftspopulisten“. Ganser sagt in Augsburg: „Verschwörungstheorie ist ein Kampfbegriff im Informationskrieg.“

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