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Kopp-Verlag : Auf dem Heimatplaneten für rechtsextreme Ufologen

„Kopp-Panik-Sirenen“ und Pfefferspray für den Notfall

Wenige Wochen später: ein zweiter Kongress in Augsburg, Thema: „Geopolitik“. Die Bestseller-Autoren des Verlags sind als Referenten angereist. Unabhängige Journalisten sind vor und in der Halle nicht erwünscht, der Autor reiht sich in die Schlange der wartenden Teilnehmer ein. Im Foyer der Stadthalle sind die Verlagsprodukte ausgestellt, darunter ein Handbuch zum Überleben in Krisenzeiten. Für den Fall, dass es in deutschen Städten zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommt, kann man daraus entnehmen, wie man Schwarzwurzeln und Pastinaken anbaut. „Kopp-Panik-Sirenen“ für 7,99 Euro und Pfefferspray liegen gleich neben den Büchern für den Ernstfall. William F. Endahl referiert über die „Manipulation der öffentlichen Meinung durch anglo-amerikanische Denkfabriken“, Wolfgang Effenberger über die „US-amerikanische Geopolitik“, Peter Orzechowski über einen Lieblingsfeind der antisemitischen Rechten, den Finanzinvestor George Soros.

Beliebtes Feindbild der Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker: der jüdische Milliardär George Soros
Beliebtes Feindbild der Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker: der jüdische Milliardär George Soros : Bild: dpa

Effenberger stellt die Behauptung auf, die Nato und die EU seien Organisationen, die von den Vereinigten Staaten eingerichtet worden seien. Es sei kein Zufall, dass seit dem unkontrollierten Flüchtlingszustrom kein Versuch zur Friedensstiftung mit „Staatschef Assad“ gemacht worden sei, die Amerikaner wollten die Weltherrschaft und die Scheichs in Saudi-Arabien die Islamisierung Europas. Orzechowski spricht dann über die „Agenda des Volksaustausches“, die hinter der Flüchtlingskrise stehe. Verantwortlich sei ein Mann wie George Soros mit seinen Stiftungen. „Wir müssen nichts phantasieren, wir müssen nur schauen, was diese Herrschaften wollen.“ Orzechowski erwähnt mit keiner Silbe, dass Soros aus einer jüdischen Familie aus Ungarn stammt, aber in seinem Referat ist Soros Inbegriff des bösen, kapitalistischen Juden, der im Hintergrund die Fäden zieht und angeblich Interesse daran hat, Europa durch die Aufnahme von Migranten zu schwächen und politisch zum Einsturz zu bringen. „Unsere Politiker sind gekauft, wir glauben immer noch, dass die für uns kämpfen, das können Sie vergessen“, sagt Orzechowski. Weil Soros an einer Firma beteiligt sein soll, die Wahlautomaten produziert, unterstellt ihm der Redner letztlich sogar, für Wahlfälschungen mitverantwortlich zu sein. Der Staat werde von Großunternehmen und Geheimdiensten gesteuert.

Kaum Interesse an Belegen oder Quellen

Es sind viele jüngere Zuhörer gekommen, verliebte Ehepaare und auch ältere Herren vom Typ Diplomingenieur in karierten Outdoor-Hemden. Keine These ist zu steil, als dass sie hier nicht vorgetragen würde. Von den mehr als 300 Zuhörern fragt nicht einer nach Belegen oder Quellen für die Thesen der Referenten.

Matthias Erzberger, doziert der Marketingfachmann, sei ja ein „noch größeres Dreckschwein“ als die Merkel. Er habe die Einkommensteuer eingeführt und Deutschland an die Alliierten verraten. Parteien wie die AfD oder Bewegungen wie Pegida würden auch nicht viel weiter helfen, auch Frauke Petry und Lutz Bachmann seien sicherlich V-Leute. „Dissidenten werden doch nur zugelassen, damit sie uns steuern.“ Schließlich sei auch Frauke Petry schon in der amerikanischen Botschaft gesehen worden. Mehrmals.

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