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Kopp-Verlag : Auf dem Heimatplaneten für rechtsextreme Ufologen

Enthüllungswerke über Ufos

Zu den ersten Büchern, die kurz nach der Verlagsgründung vertrieben wurden, gehörten Enthüllungswerke über Ufos. „Wer die Entwicklung kontinuierlich verfolgt“, schrieb Kopp im „UFO-Kurier“ 1997, „erkennt, dass Ufos weit mehr sind als nur Täuschungen, Fälschungen und Halluzinationen. Von Monat zu Monat wird uns erneut vor Augen geführt: Ufos sind real.“ Ufologie, Geheimgesellschaften, Außerirdische – das waren die frühen Themen des Kopp-Verlags, als noch niemand über „Wir schaffen das“ oder Flüchtlingsselfies der Kanzlerin sprach. 2004 erschien das Buch „Hochtechnologie im Dritten Reich“ von Axel Stoll. Für den mittlerweile verstorbenen Autor war der Fernseher nichts anderes als ein „Elektro-Jude“.

Ufologie und Außerirdische: die Anfänge des Kopp-Verlags
Ufologie und Außerirdische: die Anfänge des Kopp-Verlags : Bild: dpa

Stoll war ein rechtsextremer Esoteriker, der auch an „Reichsflugscheiben“ glaubte und an den „esoterischen Hitlerismus“. Danach ist Adolf Hitler mit einer „nationalsozialistischen Reichsflugscheibe“ nach Hohlerde geflüchtet, wo er mit seinen treuen Freunden von der SS seine Wiederkunft vorbereitet. Später gab es bei „Kopp-Online“ auch ein ausführliches Interview mit Jan Udo Holey, einem ebenfalls bekannten rechtsextremistischen Esoteriker. Der in Verfassungsschutzberichten erwähnte Autor glaubt an eine Verschwörung von Illuminaten, Juden und Freimaurern.

Viermal fragen wir bei Jochen Kopp ein Interview an. Zunächst stellt er ein Gespräch in Aussicht, spätere E-Mails und Anrufe werden nicht mehr beantwortet. Kopp tritt verbindlich auf, er wird in Rottenburg durchaus als freundlicher Mensch beschrieben. Aussteiger aus seiner Firma gibt es angeblich nicht. Während der Flüchtlingskrise soll er eine frühere Firmenhalle sogar als Unterkunft angeboten haben, in Rottenburg unterstützte er viele Jahre den Sportverein TV Rottenburg 1861, den größten Verein der 40.000-Einwohner-Stadt. Die Volleyballer spielen sogar in der Bundesliga.

Kopp hat eine Mission

Im Januar klingeln wir am Eingang des dreistöckigen, modernen Bürogebäudes. Eine Mitarbeiterin kommt zur Pforte. „Herr Kopp hat heute Ganztagsbesucher, da darf ich gar nicht stören“, sagt sie zur Erklärung. Kurze Zeit später kommt ein weiterer Mitarbeiter: „Ich möchte Sie bitten, unser Grundstück sofort zu verlassen.“

Der Vertrieb rechtspopulistischer Literatur ist für Kopp kein Nebengeschäft, mit dem er nur die Kasse aufbessert. Kopp hat eine Mission. Mit der Internetseite „Kopp-Online“ und „Kopp-Nachrichten“, einem Youtube-Kanal, versuchte Kopp, auf politische Diskussionen Einfluss zu nehmen. Im Vorwort des Dezember-Katalogs schreibt er, die „Qualitäts-Journalisten“ wollten ihre Leser nur noch „politisch korrekt“ erziehen. Er dagegen biete Informationen, die nicht nach „volkspädagogischen Gesichtspunkten“ aufgearbeitet worden seien.

Damit nicht jeder gleich ein Buch lesen muss, der sich von der volkspädagogischen Bevormundung emanzipieren will, veranstaltet der Verlag in unregelmäßigen Abständen Kongresse. Im vergangenen Oktober fand einer in den Stuttgarter Messehallen statt. Journalisten waren nicht erwünscht. An dem Kongress nahmen Bürger teil, die die Bundesrepublik für eine GmbH halten und Merkel und Obama für „Marionetten der reichen Juden“. Und Journalisten für Menschen, die an der Universität „abgerichtet“ werden, um die Vorgaben ihrer Verleger zu erfüllen. So oder ähnlich antworteten sie jedenfalls auf die Fragen von Fernsehreportern.

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