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Kontrolle von Netzen und Kraftwerken : Strom aus Freilandhaltung

An diesem Wasser können Sie bauen: Schwäbisch Hall im Sommer Bild: Clemens Zahn/laif

Strom soll lokal erzeugt und von kleinen Stadtwerken verteilt werden, damit die Gewinne in der Heimat bleiben. Das ist die romantische Vorstellung von der „Rekommunalisierung“ der Netze. Aber das kann nicht in jeder Stadt so gut funktionieren wie in Schwäbisch-Hall.

          In Isola Rizza gibt es ein Problem. Eine Videokamera wird hinzugeschaltet. Ein rotes Licht blinkt. Auf dem an die Wand projizierten Schaltbild sind Kraftwerke in Passau, Sindelfingen und Italien zu sehen. Vor wenigen Minuten muss irgendetwas in der Photovoltaik-Anlage in Venetien passiert sein. Vielleicht ist ein Hase über ein Photovoltaik-Element gelaufen, vielleicht hat sich ein Fußgänger verirrt. Volker Borchers ist Dispatcher der Stadtwerke Schwäbisch Hall. Er sitzt in einem großen Kontrollraum in einem modernen Zweckgebäude am Haller Stadtrand. „Dort in Italien gibt es einen Vorfall, wir werden gleich eine Meldung bekommen.“ Die Schwäbisch Haller Stadtwerke machen das, wovon viele andere deutsche Stadtwerke noch träumen: Sie kontrollieren Netze und Kraftwerke in vielen deutschen Regionen und sogar im Ausland.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          1990 hatten die Stadtwerke noch hundert Beschäftigte, jetzt sind es 500. Lange vor der Energiewende haben sie erkannt, dass die Steuerung von Netzen und die Übernahme von Dienstleistungen für kleine Energieversorger ein interessantes Geschäftsfeld ist. Für die Kontrolle der Netze haben die Stadtwerke eine große Leitwarte gebaut. Borchers und seine Mitarbeiter kontrollieren Stromverteilknotenpunkte, bekommen angezeigt, wann wie viel Strom aus Wind- und Solaranlagen gerade eingespeist wird, ob das mit Biomethan betriebene Blockheizkraftwerk mit voller Last läuft, wie das Fernwärmenetz gerade genutzt wird. 14 Netze anderer Stadtwerke werden von der Stadt im Hohenlohischen, im Norden Baden-Württembergs gelegen, gesteuert.

          Die Zukunft der Netze

          Darunter sind große Städte wie Sindelfingen mit dem größten Daimler-Werk Deutschlands, aber auch kleinere wie Ditzingen, Staufen oder Ottobrunn. „Übersicht HKW Alfred Leitkam“-Straße ist die Übersichtsdarstellung betitelt. Zu sehen sind Icons für Turbinen, rote Stromleitungen sowie die Heizkessel eines Kraftwerks. „Der Mensch kann gar nicht entscheiden, der Rechner macht Vorschläge, wie die Kraftwerke zu fahren sind, wir wählen daraus einen Vorschlag aus“, sagt Borchers.

          Weil die meisten Konzessionsverträge zum Betrieb der Netze eine Laufzeit von zwanzig Jahren haben, werden die Verträge in vielen Kommunen derzeit neu ausgehandelt. Von 2013 bis 2016 entscheiden etwa 1300 Kommunen über die Zukunft ihrer Netze. Darunter sind auch die Großstädte Bonn, Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg. Es geht um viel Geld, den Einfluss der Energiekonzerne, das Gelingen der Energiewende und natürlich auch weltanschaulich gefärbte Standpunkte.

          In Stuttgart zum Beispiel geht es um die Einnahme von Netznutzungsentgelten in Höhe von vier Milliarden Euro innerhalb der nächsten zwanzig Jahre. Städte wollen ihre Stadtwerke stärken oder gründen sogar neue. Bürgerinitiativen und die Grünen sehen die große Chance, die Macht der Stromkonzerne zu brechen. Die Grünen im Südwesten hatten noch bis vor kurzem Musterkonzessionsverträge auf ihren Internetseiten. Seit 2007 sind den Kommunen zum Netzbetrieb etwa 170 Konzessionen erteilt worden, die Quote der „Rekommunalisierung“ ist insgesamt aber ziemlich gering, sie liegt bei fünf Prozent.

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