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Kontrolle von Netzen und Kraftwerken : Strom aus Freilandhaltung

  • -Aktualisiert am
Der Dispatcher: Volker Borchers in der Netzleitzentrale der Stadtwerke

Johannes van Bergen, der Geschäftsführer der Schwäbisch Haller Stadtwerke, sieht sich als Pionier der Rekommunalisierung. Der 63 Jahre alte Geschäftsführer stammt vom Niederrhein, man könnte ihn als wirtschaftsnahen Sozialdemokraten alter Schule bezeichnen. „Die meisten Politiker haben ja von Energiepolitik und Stromerzeugung keine Ahnung. Deshalb habe ich mir vor anderthalb Jahren einen Kölsch-Keller hier in Schwäbisch Hall gebaut, da lade ich die alle ein, damit sie wenigstens ein bisschen was von Energiepolitik verstehen.“ Van Bergen lacht. Er holt einen ganzen Stapel Computercharts aus dem Schreibtisch und bittet seine Sekretärin, weitere Hochglanzprospekte herbei zu bringen. Zu den Stadtwerken kommen fast wöchentlich Besuchergruppen, weil sie sich für das Hallesche Modell interessieren. Gerade war eine rumänische Reisegruppe da. Auf einer kleineren Grafik des Geschäftsführers steht „Querverbund ist die Zukunft“. Der Satz ist der Schlüssel für van Bergens Erfolg - Stromnetze, Wasser- und vor allem das Wärmenetz müssen in einer Hand sein, damit sich die Rekommunalisierung der Stromnetze wirtschaftlich lohnt. „Die Netze sind ein komplexes Geschäft, es gibt nur eine Grundrendite von drei Prozent nach Steuern, Sie brauchen also den Querverbund, Stromnetze allein sind uninteressant“, sagt van Bergen.

Die Haller Stadtwerke haben vor vierzig Jahren Glück gehabt. Die großen Energieversorger hatten damals kein Interesse am Gasnetz, also blieb es bei dem kommunalen Betrieb. Später kam der Bau eines Fernwärmenetzes und von Blockheizkraftwerken hinzu. Davon profitieren die Stadtwerke heute: Der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen macht es erforderlich, Gas-Blockheizkraftwerke vorzuhalten, die man bei wenig Wind oder Regen innerhalb weniger Minuten hochfahren kann. Diese Kraftwerke lassen sich aber nur wirtschaftlich betreiben, wenn die Abwärme für ein Fernwärmenetz genutzt wird, das in Schwäbisch Hall vorhanden ist und anderen Stadtwerken fehlt.

Schon bald einen Sponsor weniger

Im Südwesten Schwäbisch Halls, in einem Gewerbegebiet, haben die Stadtwerke gerade für neun Millionen Euro ein neues Blockheizkraftwerk gebaut. Es hat 4400 Kilowatt-Leistung und ist mit einem Pufferspeicher ausgestattet. Ein großer Automobilzulieferer produziert gleich nebenan. „Sie können die Fernwärme mit einem gut ausgebauten Netz gut verteilen. Weil es aber auch Situationen gibt, in denen die Wärme nicht gebraucht wird, haben wir jetzt einen Pufferspeicher mit einem Volumen von 800.000 Litern gebaut“, sagt Steffen Hoffmann, Abteilungsleiter Energieerzeugung der Stadtwerke. Mit dieser Wärmespeicherung lässt sich Wärme tagsüber speichern und nachts an Krankenhäuser oder Pflegeheime abgeben. „Große Teile des Gewerbegebiets hat die Stadt zum Fernwärmevorranggebiet erklärt. Wenn eine alte Heizung mit fossilen Brennstoffen kaputt geht, dann sollten die Firmen sich ans Fernwärmenetz anschließen lassen“, sagt Hoffmann.

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