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Kontaktnachverfolgung : Sind die Gesundheitsämter wirklich überfordert?

Mitarbeiter des Berliner Gesundheitsamtes Mitte in Schutzkleidung Bild: dpa

Die Gesundheitsämter haben die Lage unter Kontrolle, aber ihnen fehlen Mitarbeiter. Im thüringischen Sonneberg wünscht man sich dringend Unterstützung – bekommt sie aber nicht.

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          Als es losging mit Corona, war der Landkreis Sonneberg im Süden Thüringens kaum betroffen. Das änderte sich vor zwei Wochen. Ausgerechnet auf dem „Gesundheitscampus“ im Zentrum Sonnebergs traten vermehrt Corona-Infektionen auf – das Areal mit Krankenhaus, Dialysezentrum, mehreren Arztpraxen sowie betreutem Wohnen hat sich zu einem Hotspot der Pandemie entwickelt. Am Donnerstag meldete der Landkreis sechs Neuinfektionen, das entspricht einem Viertel aller an diesem Tag in Thüringen neu erfassten Fälle. Mit 62,3 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen müsste der Landkreis eigentlich die Beschränkungen des öffentlichen Lebens, die in Thüringen von diesem Freitag an gelockert werden sollen, beibehalten – die von Bund und Ländern festgelegte Grenze von 50 Fällen ist deutlich überschritten.

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.
          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.
          Timo Steppat
          Redakteur in der Politik.

          Seit dem Ausbruch, von dem auch Krankenhauspersonal betroffen ist, versucht das örtliche Gesundheitsamt, die Lage wieder in den Griff zu bekommen. Was in normalen Zeiten ein Vorteil sei, nämlich viele Gesundheitseinrichtungen nah beieinander zu haben, erweise sich jetzt als Nachteil, sagt ein Sprecher des Landkreises. Eine Rückverfolgung der Ansteckungen sei angesichts der vielen Interaktionen von und nach außen praktisch unmöglich. „Unsere Mitarbeiter arbeiten am Rande der Erschöpfung an der Kontaktnachverfolgung, sieben Tage die Woche“, so der Sprecher.

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