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Konsequenzen aus Pisa-Studie : Die Stärken der Schüler sehen

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Vom Wissen zum Erkennen: Wichtiger als das, was einer lernt, ist, was er daran lernt. Bild: dapd

Was können Lehrer und Schulen tun, um gefährdete Kinder früher zu erkennen und so zu unterstützen, um ein Scheitern zu verhindern? Auch wenn in Deutschland Fortschritte erzielt wurden, ist es noch ein langer Weg, schreibt Bildungsforscher Manfred Prenzel im F.A.Z.-Gastbeitrag.

          Die jüngsten Ergebnisse von Pisa 2009 brachten gute Nachrichten. Die vielleicht wichtigste betraf die Anzahl der Schüler auf der niedrigsten Kompetenzstufe in den untersuchten Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Mit ihren schwach ausgeprägten Fähigkeiten bringen diese Jugendlichen schlechte Voraussetzungen für einen Schulabschluss, für eine Berufsausbildung, aber auch für erfolgreiches Handeln im Alltag mit. Es besteht ein hohes Risiko, dass sie den gesellschaftlichen Anschluss verlieren. Deshalb wird seit Pisa 2000 verkürzt von "Risikoschülern" gesprochen.

          Bei der ersten Pisa-Erhebung im Jahr 2000 lag der Anteil von Jugendlichen auf der niedrigsten Kompetenzstufe in Deutschland zwischen 22 und 23 Prozent in den drei Inhaltsbereichen. Einfach ausgedrückt heißt "niedrigste Kompetenzstufe", die Fünfzehnjährigen lesen und rechnen auf Grundschulniveau. Allerdings war es keineswegs so, dass auf der untersten Kompetenzstufe nur Hauptschüler oder Jugendliche mit Migrationsgeschichte anzutreffen waren. Der Anteil dieser leistungsschwachen Fünfzehnjährigen umfasste - je nach Bundesland - an Realschulen bis zu einem Viertel, an Gesamtschulen bis zu einem Drittel der Schülerschaft. Selbst an Gymnasien bewegten sich bis zu zwei Prozent der Schülerinnen und Schüler auf diesem niedrigen Niveau.

          Fortschritte, aber dennoch viel Arbeit bei Risikoschülern

          Bei Pisa 2009 zeigte sich nun, dass es in den letzten Jahren gelungen war, die Anteile von leistungsschwachen Schülern in Deutschland deutlich zu senken. Die Anteile liegen jetzt im Lesen und in der Mathematik bei etwa 18,5 Prozent eines Altersjahrgangs.

          Die Botschaft dieses Befunds lautet: Es ist in Deutschland möglich, im Zeitraum einer knappen Dekade den Anteil leistungsschwacher Schüler um ein Fünftel zu senken. Viele andere Staaten, vorneweg die Vereinigten Staaten, wären glücklich, wenn sie im Rahmen von Programmen wie "No child left behind" ähnliche Fortschritte erzielt hätten.

          Doch führen internationale Vergleiche schnell zu einer zweiten Botschaft: Wenn der Anteil von Jugendlichen auf und unter der niedrigsten Kompetenzstufe zum Beispiel im Lesen in Kanada 10,3 Prozent, in Finnland 8,1 Prozent und in Korea 6,8 Prozent beträgt, dann bleibt bei uns noch viel zu tun. Dabei geht es nicht um einen vom Ehrgeiz getriebenen Wettbewerb, sondern es geht um die Zukunft dieser Kinder und Jugendlichen wie auch um unsere gesellschaftliche Zukunft. In einem von der Bertelsmann-Stiftung herausgegebenen Gutachten zeigte sich kürzlich, welche Folgekosten mit unzureichender Bildung, festgemacht am Anteil junger Menschen auf der niedrigsten Kompetenzstufe, verbunden sind. Deshalb lohnen sich alle Anstrengungen, diese Anteile zu verringern.

          Mindestniveau festlegen

          Worauf sind die Fortschritte zurückzuführen, die in den letzten Jahren in Deutschland erzielt wurden? Ausgangspunkt für alle Verbesserungen ist und war die Einsicht, dass es sich Deutschland nicht leisten kann, so viele junge Menschen zu verlieren. Die Pisa-Vergleiche haben dazu beigetragen, das verbreitete Unbehagen zu fassen, an Zahlen zu konkretisieren und Herausforderungen klar zu sehen und zu benennen. Dieser Bewusstseinswandel ist sicher noch nicht in alle Familien und Klassenzimmer gedrungen, doch haben sich vielerorts die Bezugspunkte und Ansprüche verändert. Dies bedeutet mehr Aufmerksamkeit für die Entwicklung von Kindern, eine schärfere Wahrnehmung für Warnsignale und eine stärkere Bereitschaft, auf frühe Anzeichen zu reagieren und sich für das Lernen einzusetzen, ja zu kämpfen, auch wenn es schwerfällt.

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