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Konflikt um Limburger Bischof : Tebartz-van Elst will Kosten für Bauprojekte offenlegen

Tausende Gläubige hatten sich in einem offenen Brief an den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst gewandt Bild: dpa

Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst hat sich dazu bereit erklärt, alle Kosten für die umstrittenen Baumaßnahmen auf dem Domberg offenzulegen und überprüfen zu lassen. Darauf haben sich Bischof und Domkapitel zum Abschluss des Besuchs von Kardinal Lajolo geeinigt.

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          Der Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz van Elst muss sein Finanzgebaren im Zusammenhang mit dem Bau seines Bischofshauses lückenlos und überprüfbar offenlegen. In einer gemeinsamen Erklärung von Bischof und Domkapitel, die am Samstag unter Vermittlung von Kurienkardinal Giovanni Lajolo beschlossen wurde, sichert der Bischof zu, „dass er alle Kosten für die Baumaßnahme auf dem Domberg umgehend im Bischöflichen Ordinariat feststellen lassen und der Sonderprüfung einer Kommission zugänglich machen wird, die er beim Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz erbeten hat“. Der Abschlussbericht der Kommission, der alle Kosten, die Finanzierung und die eingeschlagenen Verfahrenswege überprüft und erfasst, werde offengelegt.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Desweiteren heißt es in der Erklärung, der Bischof habe „erneut seinen festen Willen zum Ausdruck gebracht, bei der Leitung der Diözese von den Beratungsorganen regelmäßigen und verlässlichen Gebrauch zu machen, die dafür im allgemeinen und partikularen Kirchenrecht vorgesehen sind. Das Domkapitel – eines jener Beratungsorgane - werde dem Wunsch von Papst Franziskus entsprechen und „diesen Weg des Bischofs aufmerksam und loyal begleiten“. Im Übrigen vertraue der Bischof darauf, dass die Konferenzen und Räte auf diesem Weg dazu beitrügen, „die anstehenden Probleme im Geist der Offenheit und der Geschwisterlichkeit zu lösen“.

          Lajolo will Papst Franziskus ausführlich informieren

          Kardinal Lajolo hatte sich seit Montag in zahllosen Gesprächen ein umfassendes Bild der Lage im Bistum Limburg gemacht. Im Lauf der Woche traf er mit dem Bischof, dem Domkapitel, Repräsentanten verschiedener Räte und Gremien sowie einzelnen Gläubigen zusammen, um zu ergründen, woher jener „innere und äußere Unfrieden“ rührt, von dem in seinem Entsendungsschreiben die Rede war. Zwei Ursachen des Unfriedens werden in der gemeinsamen Erklärung von Bischof und Domkapitel angesprochen: Die bis heute ungeklärte Finanzierung des Bischofshauses auf dem Limburger Domberg, dessen Kosten sich von ursprünglich zwei Millionen Euro vervielfacht haben und auf 15 bis 20 Millionen Euro geschätzt werden, sowie die Missachtung der vom Kirchenrecht vorgegebenen Beratungsorgane. Welche Eindrücke Kardinal Lajolo darüber hinaus über die Amts- und Lebensführung des 54 Jahre alten Bischofs gewonnen hat, ist nicht Gegenstand der Erklärung. Allerdings heißt es darin, dass er Papst Franziskus ausführlich informieren werde.

          Der Inhalt der Erklärung steht in eigentümlichem Kontrast zu einer Formulierung des Präfekten der vatikanischen Kongregation für die Bischöfe, Kardinal Ouellet, der Tebartz-van Elst in dem Entsendungsschreiben vom 3. September des „vollen Vertrauens“ des Vatikan in seine Amtsführung versichert hatte. Davon ist nun nicht mehr die Rede. Ebensowenig kann nach der Erklärung vom Samstag die Rede davon sein, dass die Kritik an der Amtsführung des Bischofs das Ergebnis einer Medienverschwörung sei. Das aber hatte der Kölner Kardinal Meisner noch am Freitag behauptet und Tebartz zugleich in höchsten Tönen gelobt. „Hier wird ein Kampf gekämpft, ich weiß gar nicht, wogegen“, sagte Meisner dem in Kölner „Domradio“. Der Kölner Erzbischof, zu dessen Kirchenprovinz das Bistum Limburg gehört, zeigte sich entsetzt, „dass sich da so eine Wolke über ihn gelegt hat. Und wie die Medien sich geradezu gegen ihn verschworen haben!“ Über die Motive der Verschwörer sagte Meisner: „All die Dinge mit Flügen und dem Bau eines Hauses, das sind alles für mich nur Vorwände. Dahinter steht etwas anderes“ - nämlich seine theologische Haltung und seinen Stil der Verkündigung. Beides sei jedoch sowohl in ihrer theologischen Tiefe wie in der „katholischen Ausrichtung „vorbildlich“.

          Den Münchner Kardinal Marx, der in einem am Mittwoch veröffentlichten Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ geraten hatte, sich nicht als Objekt einer Medienkampagne zu sehen, zieh Meisner unverblümt der „Ahnungslosigkeit.“ Für Gläubige wie für Bischöfe gälten die Gebote von „Transparenz und Wahrhaftigkeit“, hatte Marx gesagt und seinem Mitbruder „Aufklärung und Offenheit“ nahegelegt, anstatt sich als Opfer einer Medienkampagne zu sehen. Marx gab Tebartz zu bedenken: „Natürlich gab es auch in der Vergangenheit immer wieder Medienberichte, in denen ein gewisses Interesse aufschien, der Kirche zu schaden. Aber Medienkampagnen laufen ins Leere, wenn da nichts ist.“ Meisner hielt mit den Worten dagegen: „Da muss ich sagen: Da hat er keine Ahnung!“ Er selbst sei jetzt fast 25 Jahre in Köln und habe auch Jahre durchgemacht, wo es ihm ähnlich ergangen sein wie jetzt Tebartz-van Elst. Meisner riet Marx daher: „Da sollten wir Bischöfe doch ein bisschen vorsichtiger sein, wenn wir solche Urteile fällen, die sehr glatt und einsichtig klingen, die aber doch der Realität entbehren.“

          Im Übrigen zeigte sich der Kölner Kardinal gewiss, dass Papst Franziskus und der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Bischöfe, der kanadische Kardinal Ouellet, auf Tebartz' Seite stünden. Der Vatikan habe die Bitte des Limburger Bischofs um eine Apostolische Visitation, die Meisner selbst ihm Ende August nahegelegt hatte, deswegen abgelehnt, „weil eine solche Visitation nur vorgenommen wird, wenn ein Bischof Dreck am Stecken hat. Aber der hat nichts!“ Der Besuch des von Rom entsandten Kardinals Giovanni Lajolo diene daher nur dazu, „äußere Dinge zu regeln, aber keine Verfehlungen, die seine moralische Integrität berühren“.

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