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Konflikt um Limburger Bischof : Meisner beklagt Verschwörung

Heftig in der Kritik: der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst Bild: dpa

Im Konflikt um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat der Kölner Erzbischof Joachim Meisner seinem Mitbruder den Rücken gestärkt. Die Medien hätten sich „geradezu gegen ihn verschworen“.

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          Der Kölner Kardinal Meisner hält den Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst für das Opfer einer Medienverschwörung. „Hier wird ein Kampf gekämpft, ich weiß gar nicht, wogegen“, sagte Meisner am Freitag im Kölner „Domradio“. Der Kölner Erzbischof, zu dessen Kirchenprovinz das Bistum Limburg gehört, zeigte sich entsetzt, „dass sich da so eine Wolke über ihn gelegt hat. Und wie die Medien sich geradezu gegen ihn verschworen haben!“ Über die Motive der Verschwörer sagte Meisner: „All die Dinge mit Flügen und dem Bau eines Hauses, das sind alles für mich nur Vorwände. Dahinter steht etwas anderes“ - nämlich seine theologische Haltung und sein Stil der Verkündigung. Beides sei jedoch sowohl in der theologischen Tiefe wie in der „katholischen Ausrichtung „vorbildlich“.

          „Da hat Marx keine Ahnung“

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Den Münchner Kardinal Reinhard Marx, der in einem Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ geraten hatte, sich nicht als Objekt einer Medienkampagne zu sehen, zieh Meisner der „Ahnungslosigkeit.“ Für Gläubige wie für Bischöfe gälten die Gebote von „Transparenz und Wahrhaftigkeit“, hatte Marx gesagt und seinem Mitbruder „Aufklärung und Offenheit“ nahegelegt, anstatt sich als Opfer einer Medienkampagne zu sehen. Marx gab zu bedenken: „Natürlich gab es auch in der Vergangenheit immer wieder Medienberichte, in denen ein gewisses Interesse aufschien, der Kirche zu schaden. Aber Medienkampagnen laufen ins Leere, wenn da nichts ist.“

          Kölner Kardinal Meisner: Entsetzt, „wie die Medien sich geradezu gegen ihn verschworen haben“

          Meisner hielt mit den Worten dagegen: „Da muss ich sagen: Da hat er keine Ahnung!“ Er selbst sei jetzt fast 25 Jahre in Köln und habe auch Jahre durchgemacht, wo es ihm ähnlich ergangen sei wie jetzt Tebartz-van Elst. Meisner riet Marx daher: „Da sollten wir Bischöfe doch ein bisschen vorsichtiger sein, wenn wir solche Urteile fällen, die sehr glatt und einsichtig klingen, die aber doch der Realität entbehren.“

          Meisner: Tebartz ohne „Dreck am Stecken“

          Im Übrigen zeigte sich der Kölner Kardinal gewiss, dass Papst Franziskus und der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Bischöfe, der kanadische Kardinal Ouellet, auf Tebartz` Seite stünden. Der Vatikan habe die Bitte des Limburger Bischofs um eine Apostolische Visitation, die Meisner selbst ihm Ende August nahegelegt hatte, deswegen abgelehnt, „weil eine solche Visitation nur vorgenommen wird, wenn ein Bischof Dreck am Stecken hat. Aber der hat nichts!“ Der Besuch des von Rom entsandten Kardinals Giovanni Lajolo diene daher nur dazu, „äußere Dinge zu regeln, aber keine Verfehlungen, die seine moralische Integrität berühren“.

          Lajolo wird am Sonntag nach Rom zurückkehren und dem Papst über die Lage im Bistum Limburg berichten. In der vergangenen Woche hatte er mit zahlreichen Geistlichen und Laien aus dem Bistum Limburg Gespräche geführt. An diesem Sonntag wird er zum Abschluss des im Bistum Limburg jährlich gefeierten „Kreuzfestes“ in Königstein im Taunus predigen.

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