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Kommunikation in der Pandemie : Wie die Politiker die Bürger verwirren

Falsch kommuniziert: Gesundheitsminister Spahn und STIKO-Chef Mertens Bild: Stefan Boness/Ipon

In der politischen Kommunikation zur Corona-Pandemie läuft manches schief. Viele Informationen sind widersprüchlich und unverständlich. Das rächt sich nun.

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          Es ging auf Mitternacht zu, als Thomas Mertens Erstaunliches verlauten ließ. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO) stellte in der Talkshow „Lanz“ klar, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der für Auffrischungsimpfungen für alle wirbt, und seine STIKO, die den Booster bis zu diesem Zeitpunkt nur für über 70-Jährige empfahl, das Gleiche meinen. Denn die Gesundheitsminister sprächen sich für ei­ne Auffrischung nach sechs Monaten aus. Da die Impfkampagne jedoch bei den Ältesten angefangen habe, seien sie auch die Ersten, die die sechs Monate hinter sich hätten. „Wir meinen also die gleiche Gruppe“, sagte Mertens vergangene Woche. Das Problem ist: Sie meinen zwar das Gleiche, aber sie sagen etwas anderes. Und was bei den Empfängern ankommt, ist maximale Verwirrung. Zumal die STIKO nur wenig später auf die Linie Spahns eingeschwenkt ist.

          Tatjana Heid
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten und Politik Online.

          Wenige Tage später zog eben jener Gesundheitsminister Spahn Unmut auf sich, als er ankündigte, die Lieferung von BioNTech/Pfizer-Impfdosen künftig zu deckeln. Seine Länderkollegen, sogar aus der eigenen Parteienfamilie, waren dezidiert anderer Meinung, die Ärzte reagierten ebenfalls empört. „Kommunikation ist das größte Problem in der Pandemie“, konstatierten mehrere Fachverbände in einem gemeinsamen Appell. Die überraschende Kontingentierung stellte die Arztpraxen vor einen kaum leistbaren organisatorischen Aufwand.

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