https://www.faz.net/-gpf-7qhgg

Kommunalwahlen in NRW : Mit gespenstischem Gleichmut in die Niederlage

  • -Aktualisiert am

Wahlsieger in Düsseldorf und künftig dort Oberbürgermeister: Thomas Geisel (SPD) feiert den Erfolg mit seiner Ehefrau Vera Bild: dpa

Vor drei Wochen hatte der CDU-Landeschef Laschet noch von einem grandiosen Erfolg bei der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen gesprochen. Bei den Stichwahlen aber gab es unliebsame Überraschungen für die Union. Der größte Coup gelang der SPD in Düsseldorf.

          3 Min.

          Es ist gerade einmal drei Wochen her, dass sich die CDU als Gewinnerin der nordrhein-westfälischen Kommunalwahlen fühlte. Mit 38 Prozent war die Union am 25. Mai klar die stärkste kommunalpolitische Kraft geblieben. Ihr Landesvorsitzender Armin Laschet bezeichnete das Abschneiden sogar als „grandios“. Die Union hoffte bei den Stichwahlen am Sonntag auf viele schöne weitere Erfolge. Das Sahnehäubchen sollte die Oberbürgermeisterwahl in Düsseldorf sein. Dirk Elbers (CDU), der das Amt seit 2008 führt, lag vor drei Wochen noch deutlich vor seinem Herausforderer Thomas Geisel (SPD).

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Doch im Stichwahlkampf gelang es Geisel, die Stimmung zu drehen. Zupass kam ihm, dass es bis weit hinein in bürgerliche Kreise viel Unzufriedenheit mit Elbers gibt, obwohl Düsseldorf gut dasteht. Selbst aus der CDU war zuletzt immer unverhohlener Kritik an Elbers’ zuweilen herrischem Führungsstil zu hören. Auch hieß es, Elbers habe kaum eigene Ideen, sondern beschränke sich darauf, die Früchte seines Vorgängers Joachim Erwin (CDU) zu ernten.

          Die Elbers-Anhänger nahmen am Sonntagabend im Düsseldorfer Rathaus den sich schon kurz nach 18 Uhr abzeichnenden Triumph des Sozialdemokraten Geisel mit beinahe gespenstischem Gleichmut hin. Während von der SPD-Party im Raum schräg gegenüber bei jedem neuen Zwischenstand Jubelstürme herüber drangen, widmeten sich die Gäste auf der CDU-Wahlveranstaltung dem Zwiegespräch, ihrem Altbier oder der Live-Übertragung des WM-Spiels Schweiz gegen Ecuador.

          Am Ende siegte der aus Schwaben stammende Geisel mit 59,2 Prozent. Elbers, der 2008 selbst mit rund 60 Prozent gewählt worden war, kam nur noch auf 40,8 Prozent. „Obwohl ich nach der ersten Wahl wusste, jetzt steht wieder alles auf Anfang, hätte ich mit diesem deutlichen Ergebnis nicht in meinen kühnsten Träumen gerechnet“, sagte Geisel.

          Geschlagener Amtsinhaber: Dirk Elbers (CDU)

          Nach Geisels Triumph ist Stuttgart unter den zehn größten Kommunen in Deutschland die einzige Stadt, in der die SPD nicht das Stadtoberhaupt stellt. Dort ist der Grüne Fritz Kuhn Oberbürgermeister. Aus der Perspektive der CDU lässt sich feststellen: Seit Sonntag ist Dresden die einzige Landeshauptstadt, die noch CDU-geführt ist - dort regiert Oberbürgermeisterin Helma Orosz.

          Die Debatte darüber, warum die Union keine Großstadtpartei (mehr) sei, dürfte nach Elbers’ Wahldesaster wieder aufflammen. Die nordrhein-westfälische CDU war bisher darum bemüht, darauf hinzuweisen, dass es für jeden Verlust eines Oberbürgermeister-Postens sehr spezifische lokale Gründe gebe. Die Niederlage bei der Oberbürgermeisterwahl 2009 in Köln etwa wurde als Auswirkung des Archiv-Einsturzes gedeutet, die Niederlage in Duisburg im Jahr 2012 als Spätfolge der Love-Parade-Katastrophe. Über Elbers hieß es schon vor der Stichwahl, er habe sogar seinen Amtsbonus verspielt.

          Unverdrossen ist man in der Landes-CDU bemüht, eigene Großstadt-Erfolge hervor zu heben. Tatsächlich war der CDU-Mann Marcel Philipp schon am 25. Mai im ersten Durchgang als Aachener Oberbürgermeister bestätigt worden. Und am Sonntag gelang es dann Hans Wilhelm Reiners (CDU) in Mönchengladbach, Amtsinhaber Norbert Bude (SPD) zu schlagen. Ansonsten aber verliefen die Stichwahlen wenig erfreulich für die Union. In Bielefeld setzte sich Amtsinhaber Pit Clausen (SPD) durch, in Dortmund gewann wieder Ullrich Sierau (SPD).

          Weitere Themen

          Hongkong droht nun Zensur

          „Sicherheitsgesetz“ : Hongkong droht nun Zensur

          Hongkongs „Sicherheitsgesetz“ schränkt seine Einwohner stark ein. Nicht einmal Plakate ohne Parolen toleriert die Polizei noch. Netzwerke wie Facebook wollen nun keine Nutzerdaten mehr weitergeben. Wird China sie verbieten?

          Topmeldungen

          „Sicherheitsgesetz“ : Hongkong droht nun Zensur

          Hongkongs „Sicherheitsgesetz“ schränkt seine Einwohner stark ein. Nicht einmal Plakate ohne Parolen toleriert die Polizei noch. Netzwerke wie Facebook wollen nun keine Nutzerdaten mehr weitergeben. Wird China sie verbieten?
          Die Welt wird enger, aber wir können etwas dagegen tun.

          Polarisierung in Debatten : Wir Gesinnungsgenossen

          In diesen Monaten zeigt sich die Herrschaft des Framings noch deutlicher also sonst – besonders bei Twitter. Ein Plädoyer für mehr Offenheit gegenüber dem, was uns zwar nicht gefällt, aber noch lange nicht extrem ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.