https://www.faz.net/-gpf-a3cer

Kommunalwahlen in NRW : Rückenwind und Sturm von vorne

In der Stichwahl könnte es für die SPD nochmal heikel werden. Denn offen ist bislang, wie sich die Grünen und ihre Wähler dann verhalten werden. Stehen sie zum alten rot-grünen Lagerdenken und stimmen sie mehrheitlich für Westphal, ist dessen Wahl sicher. Doch es grummelt bei den Grünen in Dortmund schon eine Weile. Das Verhältnis zur dauerregierenden SPD gilt als angespannt. Gut möglich, dass sie die Gelegenheit zu einem Machtwechsel im Rathaus beim Schopfe greifen und  sich für Hollstein aussprechen.

CDU freut sich in Essen

Freuen kann sich die CDU über ihr gutes Abschneiden in Essen. Dort scheint sich Oberbürgermeister Thomas Kufen schon im ersten Wahlgang durchgesetzt zu haben. Zudem ist die CDU in der heimlichen Hauptstadt des Ruhrgebiets, die lange von der SPD dominiert war, mit rund 32 Prozent mit Abstand stärkste Rats-Kraft. In Düsseldorf kann CDU-Kandidat Stephan Keller Amtsinhaber Thomas Geisel (SPD) in die Stichwahl zwingen. In zwei Wochen gebe es die „Riesenchance, dass auch die Landeshauptstadt von einem CDU-Bürgermeister regiert wird“, sagt Laschet am Abend im Düsseldorfer CDU-Partyzelt vor seinen jubelnden Anhängern. Es wäre die erste Landeshauptstadt in einem großen deutschen Flächenland, die die Union zurückerobert.

„Das ist natürlich ein enttäuschendes Ergebnis“: SPD-Vorsitzende Saska Esken, hier am 2. September auf ihrer Sommerreise auf der Halde der Schachtanlage Prosper in Bottrop
„Das ist natürlich ein enttäuschendes Ergebnis“: SPD-Vorsitzende Saska Esken, hier am 2. September auf ihrer Sommerreise auf der Halde der Schachtanlage Prosper in Bottrop : Bild: dpa

Auch in Bonn sieht es am Abend nach Auszählung der meisten Stimmbezirke bitter aus für die SPD. Dort liegt im Rennen um den zweiten Platz die grüne Bundestagsabgeordnete Katja Dörner mit rund 27 Prozent der Stimmen deutlich vor der SPD-Kandidatin Lissi von Bülow mit rund 20 Prozent. Amtsinhaber Ashok Sridharan kann seinen ersten Platz mit gut 34 Prozent behaupten, wird aber in die Stichwahl müssen.

AfD verliert

Wenig erfolgreich verläuft der Wahlabend für die kleinen Parteien. Die AfD, die bei der Europawahl noch landesweit 8,5 Prozent erreicht hat, kommt nur auf knapp sechs Prozent. Immerhin mehr als bei den letzten Kommunalwahlen 2014, als die damals noch junge Partei auf 2,6 Prozent der Stimmen gekommen war. Die FDP schneidet mit 4,5 Prozent marginal schlechter ab als zuletzt, die Linke verliert 1,1 Prozentpunkte und kommt auf 3,6 Prozent.

Eine positive Tendenz zeigt am Ende die Wahlbeteiligung. Sie liegt mit 51,5 Prozent etwas über dem Wert von 2014 (50 Prozent). Coronabedingt gab es besonders viele Briefwähler. In Dortmund hatte die Stadt sogar die Westfalenhalle angemietet, damit die Wahlhelfer bei der Auszählung der vielen Briefwahlstimmen genügend Platz hatten, um die Abstandregeln einzuhalten.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, in Düsseldorf habe der CDU-Oberbürgermeisterkandidat Stephan Keller „Amtsinhaber Thomas Kufen (SPD) in die Stichwahl zwingen können“. Das ist nicht korrekt; Amtsinhaber in Düsseldorf ist Thomas Geisel (SPD). Thomas Kufen ist CDU-Oberbürgermeister in Essen, der bei den Kommunalwahlen am Sonntag im Amt bestätigt wurde. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. Die Redaktion.

Weitere Themen

Meuthen startet Angriff auf rechtes Lager Video-Seite öffnen

AfD-Parteitag : Meuthen startet Angriff auf rechtes Lager

Auf dem AfD-Bundesparteitag hat Parteichef Jörg Meuthen einen Frontalangriff auf das rechte Lager gestartet. In seiner Rede in Kalkar kritisierte er eine zunehmend radikale Wortwahl und warnte vor der Nähe zur Querdenken-Bewegung.

Topmeldungen

Krise im deutschen Fußball : Die Nationalelf ist im freien Fall

Seit dem WM-Sieg stürzt der Image-Wert des Nationalteams in den Keller, wie eine Umfrage belegt. Auch die Entfremdung von der Elf erreicht eine neue Dimension. Das hat nicht nur mit Niederlagen auf dem Rasen zu tun.
Emanuel Nujiqi (links) nimmt an der Impfstoffstudie teil. Andreas Eich, leitender Prüfarzt am Institut für klinische Forschung in Frankfurt überwacht die Studie.

Teilnahme an Impfstoffstudie : „Was wäre, wenn jeder so denken würde?“

Emanuell Nujiqi nimmt als Proband an einer Corona-Impfstoffstudie teil – und hat dafür gewisse Risiken in Kauf genommen. Von seiner Familie musste er sich kritische Fragen anhören. Ob er tatsächlich den Wirkstoff bekommen hat, weiß er nicht.
Geht es mit englischen Begriffen leichter? Anti-Rassismus-Demonstration im Juni in Frankfurt

Debatte über Streichung : Der gefährliche Mythos Rasse

Der Begriff der Rasse soll aus dem Grundgesetz verschwinden. Geprägt von einem französischen Arzt und Philosophen hat das Wort eine zweifelhafte wissenschaftliche Karriere gemacht – mit mörderischen Folgen. Forscher arbeiten an seinem Ende.
Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, am 20. November in Troisdorf

Historische Corona-Analogien : Auch Deutsche unter den Opfern

Armin Laschet spricht vom härtesten Weihnachtfest der Nachkriegszeit, eine Demonstrantin vergleicht sich mit Sophie Scholl: Helfen mehr Geschichtsbücher gegen die schiefen Bilder?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.