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Kommunalwahlen in NRW : Das große Stechen in der zweiten Runde

  • -Aktualisiert am

ibylle Keupen (vorne), Oberbürgermeisterkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen für die Stadt Aachen Bild: dpa

Schon jetzt ist klar: Den Grünen kommt in den Kommunen in NRW eine wichtige Rolle zu. Gelingt ihnen in den Stichwahlen noch ein Coup?

          3 Min.

          Vor der Wahl ist nach der Wahl. Weil am Sonntag in gleich 26 kreisfreien Städten und Kreisen in Nordrhein-Westfalen kein Bewerber die absolute Mehrheit erreichte, ist der Kommunalwahlkampf dort in die Verlängerung gegangen. Unter der Vielzahl interessanter Duelle ragen jene in Münster, Dortmund, Düsseldorf, Bonn und Aachen heraus. Das hat nicht zuletzt mit den Grünen zu tun, den eigentlichen Siegern der ersten Runde. Denn bei den Stichwahlen in den fünf Großstädten spielen die Grünen auf unterschiedliche Weise eine wichtige Rolle – entweder weil sie selbst eine Kandidatin oder einen Kandidaten ins finale Rennen schicken können oder aber weil sie einem Duell mit mehr oder weniger klaren Empfehlungen das entscheidende Momentum verleihen können.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Anders als in anderen Bundesländern, wo es schon seit vielen Jahren grüne Oberbürgermeister gibt, hat die Partei in ihrem größten Landesverband bisher keinen Verwaltungschef an der Spitze einer Großstadt. Ausgerechnet in Aachen, der Heimatstadt von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), ist die Wahrscheinlichkeit nun besonders groß, dass die Grünen das ändern können. Dort ließ Sibylle Keupen mit 38,9 Prozent ihre Mitbewerber von CDU und SPD weit hinter sich. In der Stichwahl wird es Harald Baal (CDU) schwer gegen Keupen haben. Die parteilose 57 Jahre alte Diplom-Pädagogin ist in der Stadtgesellschaft gut verdrahtet und dürfte auch für viele CDU- und SPD-Anhänger wählbar sein. Auf eine stabile grüne Wählerschaft kann Keupen ohnehin bauen. Bei der Ratswahl am Sonntag verdoppelten die Grünen ihren Stimmanteil auf 34 Prozent und stellen im Rat nun die mit Abstand größte Fraktion.

          Gute Chancen rechnen sich die Grünen auch in der früheren Bundeshauptstadt Bonn aus. Dort kam ihre Bundestagsabgeordnete Katja Dörner zwar mit 27,6 Prozent nur auf Platz zwei. Doch Amtsinhaber Ashok-Alexander Sridharan, der als Exponent der modernen Großstadt-CDU gilt, erreichte mit 34,5 Prozent ein überraschend schwaches Ergebnis. Die Grünen, die auch in Bonn nun die größte Ratsfraktion bilden, setzen darauf, dass Katja Dörner in Runde zwei möglichst viele SPD-Wähler von sich überzeugen kann. Rein rechnerisch könnte das reichen, denn am Sonntag war die sozialdemokratische Kandidatin auf etwas mehr als 20 Prozent gekommen. Auffällig ist, dass Dörners Konterfei nun just an den Stellen in Bonn zu sehen ist, wo bisher SPD-Plakate hingen. Aus der Perspektive der CDU wiederum ist es wichtig, dass Sridharan sein Amt verteidigt und damit deutlich macht, dass die Partei erfolgreich an ihrem Großstadtproblem arbeitet.

          Wunsch nach Wechsel

          Ebenso bedeutsam ist für die Partei von Ministerpräsident Laschet deshalb, dass Stephan Keller in Düsseldorf den sozialdemokratischen Amtsinhaber Thomas Geisel ablöst. Gelänge das, dann hätte die Union (nach Saarbrücken) die zweite Landeshauptstadt „zurückerobert“. Keller, der bisher Stadtdirektor in Köln ist, kam am Sonntag auf 34,2 Prozent und ließ Geisel damit deutlicher hinter sich, als in Umfragen prognostiziert. Der CDU-Kandidat kann darauf hoffen, dass am 27. September auch viele Wähler der in Düsseldorf recht starken FDP ihr Kreuz bei ihm machen – zumal die Ablösung Geisels eines der wichtigsten Wahlkampfversprechen der Freien Demokraten war. Die Grünen kommen spätestens nach der Stichwahl wieder groß ins Spiel. Dann geht es darum, im Rat ein Bündnis zu schmieden. Ihre Verhandlungsposition ist nicht schlecht: Sowohl Schwarz-Grün als auch eine Ampel unter ihrer Führung hätte eine Mehrheit.

          In Dortmund könnten die Grünen Andreas Hollstein (CDU) den entscheidenden Schub verschaffen. Der bisherige Bürgermeister von Altena im Sauerland, der überregional mit seiner liberalen Flüchtlingspolitik bekannt wurde, hat es am Sonntag gegen Thomas Westphal (SPD) in die Stichwahl geschafft. Auf den ersten Blick liegt der mit beinahe 36 Prozent deutlich in Führung. Doch in weiten Teilen der Dortmunder Bürgerschaft gibt es nach 74 Jahren sozialdemokratischer Dominanz den Wunsch nach einem Wechsel. Interessant ist, welches Ratsbündnis sich in Dortmund bildet: Eine eigenständige grün-schwarze Mehrheit im Rat gibt es nicht, wohl aber eine rot-grüne.

          Die Universitäts- und Verwaltungsstadt Münster ist auf beinahe schon klassische Weise schwarz-grün. Lange funktionierte das Ratsbündnis von CDU und Grünen gut. Doch kurz vor der Kommunalwahl zerbrach es an einem vergleichsweise marginalen Konflikt. Und am 27. September kommt es auch noch zum schwarz-grünen Showdown. Oberbürgermeister Markus Lewe, der am Sonntag rund 44,6 Prozent errang, muss sich im Stichentscheid Peter Todeskino stellen. Der Grüne dürfte kaum eine Chance haben. Kommt es nach der Stichwahl zu Verhandlungen über eine Neuauflage von Schwarz-Grün im Rat, können die Grünen aber selbstbewusst auftreten: Bei der Ratswahl landeten sie nur etwas mehr als zwei Punkte hinter der CDU, die im einstmals tiefschwarzen Münster auf 32,7 Prozent kam.

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