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Zweite Runde der Kommunalwahl : Tag der Entscheidung in NRW

  • -Aktualisiert am

Dass es in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zu einer Stichwahl kommen würde, hat sich schon länger abgezeichnet. Bild: dpa

Gelingt es den nordrhein-westfälischen Grünen, erstmals einen Oberbürgermeister zu stellen? Gewinnt der CDU-Kandidat in Düsseldorf und beendet so das Großstadttrauma seiner Partei? Ein Überblick über die spannendsten Stichentscheide.

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          Dortmund: Einst bezeichnete Herbert Wehner Dortmund als „Herzkammer der Sozialdemokratie“, nun müssen die Genossen bangen, dass ihr Kandidat Thomas Westphal sich im Stichentscheid durchsetzt. Der derzeitige Wirtschaftsförderer der Stadt erreichte in Runde eins am 13. September 35,8 Prozent und damit exakt zehn Punkte mehr als Andreas Hollstein von der CDU. Doch am Dienstagabend hat eine Mitgliederversammlung der Grünen mit überwältigender Mehrheit eine Wahlempfehlung für Hollstein ausgesprochen, der bisher Bürgermeister von Altena im Sauerland ist. Die Grünen sind in Dortmund mittlerweile zweitstärkste Kraft, kamen bei der Ratswahl vor zwei Wochen auf 24,8 Prozent der Stimmen. Die CDU stellt in Dortmund nur noch die drittgrößte Fraktion. Grüne und CDU vereint der Wille, an der Spitze der Dortmunder Verwaltung einen Wechsel herbeizuführen. Die SPD stellt in der Stadt seit 74 Jahren den Oberbürgermeister.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Wuppertal: In der Heimatstadt von Johannes Rau hatten sich CDU und Grüne schon vor Runde eins gegen die Sozialdemokraten verbündet. Für die beiden Parteien geht Uwe Schneidewind (Grüne) ins Rennen. Der ehemalige Präsident des „Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie“ liegt mit 40,8 Prozent sogar beinahe vier Punkte vor dem sozialdemokratischen Amtsinhaber Andreas Mucke. 

          Köln: Dass in der größten nordrhein-westfälischen Stadt ein Stichentscheid notwendig ist, ist einigermaßen überraschend. In einer Vorwahlumfrage war der von Grünen und CDU gemeinsam aufgestellten und unterstützen parteilosen Amtsinhaberin Henriette Reker nämlich schon im ersten Durchgang eine satte absolute Mehrheit vorhergesagt worden. Am 13. September kam sie dann aber „nur“ auf 45,1 Prozent und muss nun gegen SPD-Herausforderer Andreas Kossiski antreten, der 26,8 Prozent erreichte. Der Sozialdemokrat hofft darauf, das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden, indem er versucht, bürgerliche Wähler anzusprechen, die unzufrieden mit Reker sind. Unterstützung bekommt Kossiski aber auch vom in Runde eins ausgeschiedenen Linkspartei-Kandidaten Jörg Detjen, der 7,2 Prozent erzielt hatte.

          Düsseldorf: Dass es in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zu einem Stichentscheid kommen würde, zeichnete sich anders als in Köln schon seit einiger Zeit ab. Überraschend war dann, dass CDU-Kandidat Stephan Keller den sozialdemokratischen Amtsinhaber Thomas Geisel am 13. September mit beinahe acht Punkten Abstand hinter sich ließ. Geisel kam nur auf 26,3 Prozent. Er war vor sechs Jahren selbst erst in einem Stichentscheid zum Oberbürgermeister gewählt worden. Die Grünen haben in Düsseldorf keine Wahlempfehlung abgegeben, die FDP, die in der Landeshauptstadt stärker ist als vielerorts sonst in NRW, trommelte schon in Runde eins für den Wechsel – und überließ ihre Großflächen-Aufstellwände nun dem CDU-Kandidaten. Sollte sich Keller durchsetzen, würde die CDU erstmals wieder in der Hauptstadt eines großen Bundeslandes den Oberbürgermeister stellen. Es wäre auch für Armin Laschet, den CDU-Landesvorsitzenden mit Kanzlerambitionen, ein prestigeträchtiger Erfolg.

          Bonn: In der ehemaligen Bundeshauptstadt geht Amtsinhaber Ashok-Alexander Sridharan (CDU) zwar mit 34,5 Prozent als Favorit in die entscheidende zweite Runde, seine Herausforderin, die grüne Bundestagsabgeordnete Katja Dörner liegt sieben Punkte hinter ihm. Doch Dörner kann auf eine erstarkte und motivierte grüne Basis hoffen (die Partei stellt nun die größte Ratsfraktion). Zudem hat die Bonner SPD die Kandidatin der Grünen im Stichwahlkampf unterstützt. Sridharan wiederum kann darauf hoffen, weit über sein CDU-Stammklientel Wähler an sich zu binden und mit seiner Amtserfahrung zu punkten. Der Sohn eines indischen Diplomaten und einer Bonnerin wurde 2015 erster CDU-OB einer deutschen Großstadt mit Migrationshintergrund.

          Aachen: Sollte sich Katja Dörner in Bonn nicht durchsetzen, so dürften die nordrhein-westfälischen Grünen am Sonntag trotzdem zum allerersten Mal in ihrer Geschichte einen Oberbürgermeisterposten erringen – in Aachen. In der Heimatstadt von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) konnte die von den grünen aufgestellte parteilose Sozialpädagogin Sibylle Keupen am 13. September die beiden Aspiranten von CDU und SPD – die in den vergangenen Jahrzehnten stets das Stadtoberhaupt stellten – weit hinter sich lassen. Sie kam auf 38,9 Prozent. Keupens Konkurrent heißt Harald Baal (CDU). Er kam am 13. September auf 23,4 Prozent. Die SPD, deren Kandidat 22,6 Prozent erreichte, hat keine Wahlempfehlung abgegeben.

          Münster: In der westfälischen Metropole Münster haben sich die Sozialdemokraten dagegen klar positioniert – zugunsten des Kandidaten der Grünen, Peter Todeskino, dessen Name auf der zweiten Silbe betont wird („To-DES-Kino“). Ob der grün-rote Schubverband stark genug ist für den derzeitigen Geschäftsführer einer städtischen Tochtergesellschaft, lässt sich schwer einschätzen. Todeskino kam Mitte September auf 28,4 Prozent. Amtsinhaber Markus Lewe (CDU), der 44,5 Prozent erreichte, dürfte auch für viele Sozialdemokraten wählbar sein – zumal die SPD vor den Ratswahlen einen scharfen Anti-Grün-Wahlkampf geführt hatte.

          Hamm: In der am östlichen Rand des Ruhrgebiets gelegenen Großstadt hat es der Landtagsabgeordnete Marc Herter (SPD) am 13. September mit 40,7 Prozent überraschend auf Platz eins vor Amtsinhaber Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) geschafft. Sollte sich Herter in der Stichwahl gegen ihn durchsetzen, wäre das für die kriselnde SPD ein psychologisch wichtiger Sieg. Hunsteger-Petermann ist schon seit 1999 im Amt und damit der dienstälteste Oberbürgermeister in Nordrhein-Westfalen. Spannend wird sein, ob Hunsteger-Petermann doch von seinem Amtsbonus profitieren kann. Zumal sich die Ereignisse zwischenzeitlich überschlagen haben, weil Hamm nach einer ausufernden Großhochzeit zum aktuell größten Corona-Hotspot in Deutschland wurde. Seither ist Hunsteger-Petermann auf vielen Kanälen mit markigen Ansagen als Krisenmanager präsent.

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