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Kommunalwahl in Bayern : SPD-Kandidat Reiter siegt in München deutlich

  • Aktualisiert am

Dieter Reiter (rechts) wird Nachfolger von Christian Ude Bild: dpa

Die Oberbürgermeister-Stichwahl in München entscheidet der SPD-Kandidat Dieter Reiter für sich. Auch in drei weiteren bayrischen Großstädten muss die CSU Niederlagen hinnehmen.

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          In der bayrischen Landeshauptstadt München machte SPD-Kandidat Dieter Reiter die Hoffnungen der CSU zunichte, die Macht in der seit Jahrzehnten von der SPD dominierten Stadt übernehmen zu können. Reiter gewann mit 56,7 Prozent der Stimmen klar gegen den CSU-Herausforderer Josef Schmid. Mit 38,5 Prozent war die Wahlbeteiligung allerdings eher enttäuschend.

          In der zweiten Runde der bayerischen Kommunalwahlen musste die CSU auch in anderen Großstädten Niederlagen hinnehmen. Nach den Trendmeldungen verlor die CSU vier von fünf Oberbürgermeister-Stichwahlen - in München, Regensburg, Erlangen und Ansbach. Nur in Würzburg entschied der CSU-Kandidat das Rennen für sich: Christian Schuchardt wird der erste Bürgermeister mit CDU-Parteibuch in einer bayrischen Großstadt. In Regensburg wird Tanja Schweiger von den Freien Wählern neue Landrätin.

          Die auf dem Land sehr schwache bayrische SPD verlor dagegen vier Landkreise an die CSU, darunter das fränkische Hof. Mit Oliver Bär, dem Ehemann der Verkehrs-Staatssekretärin und ehemaligen stellvertretenden CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär, stellen die Christsozialen dort erstmals den Landrat. Die Grünen gewannen erstmals in Deutschland zwei Landkreise - im oberbayerischen Kreis Miesbach und im unterfränkischen Miltenberg. In der oberbayerischen Kleinstadt Schongau hatte der Bürgermeisterkandidat Tobias Kalbitzer alias Karl-Heinz Rumgedisse für Furore gesorgt, mit 49,7 Prozent scheiterte er nur äußerst knapp an Falk Sluyterman (SPD).

          Reiter muss sich erst noch einen Namen machen

          Dieter Reiter benötigte als erster Sozialdemokrat seit 30 Jahren zwei Wahlgänge, um den in München nach Ende des Zweiten Weltkriegs fast immer von der SPD besetzten Oberbürgermeister-Posten zu gewinnen. Im ersten Wahlgang lag er mit 40,5 zu 36,6 Prozent noch relativ knapp vor CSU-Kandidat Josef Schmid. Doch im zweiten Wahlgang holte Reiter mit rund 57 Prozent der Stimmen einen so deutlichen Vorsprung, dass er dies als Vertrauensvorschuss werten darf. „Es fühlt sich einfach unglaublich an“, sagte Reiter im Bayerischen Fernsehen. „Ich bin stolz und durchaus auch etwas demütig, diese Aufgabe anzugehen.“

          Dass Reiter zwei Wahlgänge brauchte, liegt an der tiefen Zäsur durch den Rückzug des nach über 20-jähriger Amtszeit aufs Altenteil gewechselten Christian Ude. Ude war in München so omnipräsent, dass an seiner Seite in den vergangenen Jahren niemand Profil gewinnen konnte - sich nun einen Namen zu machen, ist eine der ersten Aufgaben Reiters.

          Reiter war Udes Favorit für die SPD-intern von mehreren Bewerbern begehrte OB-Kandidatur. Als Münchner Wirtschaftsreferent gehörte er schon in den vergangenen fünf Jahren zum obersten Führungszirkel der Stadtverwaltung. Davor war er unter anderem stellvertretender Stadtkämmerer, Amtsleiter im Steueramt und Pressesprecher der Stadtkämmerei. Auf eine mittlerweile 33-jährige Laufbahn im städtischen Dienst kommt der Diplomverwaltungswirt.

          Hoher Druck auf dem Münchner Wohnungsmarkt

          Der am 19. Mai 1958 geborene Reiter ist zwar kein gebürtiger Münchner, er kam in Rain am Lech zur Welt. Aber schon als er zwei Jahre alt war, zog seine Familie nach München, wo er aufwuchs und seine Jugend verbrachte. Reiter besitzt in Straßlach im südlichen Landkreis Münchens mit seiner zweiten Frau Petra ein Haus - das Ehepaar lebt aber seit einigen Jahren in München, in einer 110 Quadratmeter großen Mietwohnung im Arbeiterviertel Sendling.

          „Ich will, dass auch in Zukunft Familien hier in der Stadt leben können“, sagt der auf Ausgleich innerhalb der heterogenen Münchner Bevölkerung setzende Reiter. Eine seiner Lösungen: Er will die Münchner Hochhausdoktrin einkassieren, die Gebäude nur bis zu einer gewissen Höhe erlaubt. Allerdings wurde genau diese Doktrin erst vor wenigen Jahren durch einen Bürgerentscheid bestätigt. Auch Luxussanierungen, mit denen Vermieter die Mieten in die Höhe treiben und häufig alte Mieter aus ihren Wohnungen vertreiben, will Reiter eindämmen.

          Leicht wird dies nicht: Weil die Einwohnerzahlen in München wegen der glänzenden Wirtschaftslage stetig wachsen und auch für die nächsten Jahre ein kontinuierliches Wachstum prognostiziert ist, bleibt der Druck auf den Wohnungsmarkt enorm. Am Erreichen oder Verfehlen des Ziels eines entspannteren Wohnungsmarkts dürfte Reiter am Ende seiner ersten Amtszeit in sechs Jahren gemessen werden.

          Weil Rot-Grün außerdem im Münchner Stadtrat keine Mehrheit hat, muss Reiter um weitere Bündnispartner werben, um seine Vorhaben umsetzen zu können.

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