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Kommunalwahl in Bayern : Nachfolger für Sonnenkönig gesucht

  • -Aktualisiert am

Am Sonntag stimmen die Münchner über den Nachfolger Udes im Rathaus ab. Bild: Stuart McCall/Getty Images

Seit über zwanzig Jahren wird München von Christian Ude regiert. CSU und Grüne hoffen darauf, dass mit seinem Abschied auch die Dominanz der SPD zu Ende geht.

          München ist ein schmerzender Stachel im Fleisch der CSU. Seit Kriegsende sind in der bayerischen Landeshauptstadt nur zwei Oberbürgermeister aus ihren Reihen gekommen – Karl Scharnagl und Erich Kiesl. Die SPD, die landespolitisch in Bayern erfolglos ist, hat das Münchner Rathaus zu einer roten Bastion ausgebaut. Die Ahnengalerie der sozialdemokratischen Oberbürgermeister reicht von Thomas Wimmer über Hans-Jochen Vogel bis zu Georg Kronawitter. Ende April wird Christian Ude dazu stoßen, der mit Erreichen der Altersgrenze bei der Kommunalwahl am Sonntag nicht mehr kandidieren kann. Die CSU wittert nun Morgenluft; ihr Vorsitzender Horst Seehofer spricht von „einer historischen Chance“ für seine Partei. Und auch die Grünen, im rot-grünen Rathausbündnis oft als politische Analphabeten behandelt, sehen eine neue Zeit in München anbrechen.

          Die SPD hat ihren Beitrag dazu geleistet, dass sich ihre Konkurrenten im Aufwind fühlen. Mit Franz Maget, dem früheren SPD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, der lange Vorsitzender der Münchner SPD war, hätte sie einen beliebten und volkstümlichen Kandidaten aufbieten können, der gute Aussichten gehabt hätte, den sozialdemokratischen Traditionsfaden fortzuspinnen. Doch Maget musste lange, zu lange die Kärrnerarbeit des Oppositionsführer im Landtag leisten, auch weil Ude Rückzugspläne revidierte. Jetzt kandidiert für die SPD der Münchner Wirtschaftsreferent Dieter Reiter. Der 55 Jahre alte Reiter ist ein Mann der Verwaltung; er hat lange Jahre in der Stadtkämmerei gearbeitet. Die Rolle des Politikers fällt ihm noch schwer, auch wenn er beteuert, wie sehr er danach lechze, aus einer dienenden in eine bestimmende Funktion zu wechseln.

          Mehr als ein Ude-Nachfolger?

          Die Wahlkampfstrategen der SPD haben für Reiter einen Slogan ersonnen, für den sie von den Wettbewerbern ein Honorar einfordern könnten: „Damit München München bleibt“. Reiter will damit signalisieren, dass er ein Auge darauf haben will, dass auch Bürger, die nicht über sechsstellige Jahreseinkommen verfügen, in München wohnen und leben können. Die Immobilienpreise, die sich auch in den Mieten niederschlagen, steigen an der Isar in immer neue Höhen und nötigen vor allem Familien, weit weg von den Stadtgrenzen zu ziehen. Fahrzeiten bis zu eineinhalb Stunden zum Arbeitsplatz sind keine Seltenheit. Für ganze Berufsgruppen – Polizisten, Krankenschwester, Altenpfleger – droht die Landeshauptstadt nach Feierabend eine No-go-Area zu werden.

          Kandidaten: Dieter Reiter (SPD), Josef Schmid (SPD), Sabine Nallinger (Grüne)

          Ein Kandidat, der auf diese Sorgen nicht einginge, wäre einem politischen Suizid nahe. Doch mit dem mehrdeutigen Slogan „Damit München München bleibt“ stärkt Reiter die Angriffslinie seiner politischen Gegner, er stehe für eine bloße Fortschreibung der Ära Ude, die sich zuletzt oft in Selbstgenügsamkeit und Selbstgefälligkeit erschöpfte. Augenfällig wird das in der Stadtgestalt; der Reichtum Münchens bewirkt keinen architektonischen Aufbruch. Die Stadt zehrt von ihrem Erbe; selbst das Museumsviertel mit den Pinakotheken verliert sich in planerischer Provinzialität. Symptomatisch ist das Ringen um einen neuen Konzertsaal, mit dem die Stadt, in der mit den Münchner Philharmonikern und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zwei Spitzenorchester zu Hause sind, zu anderen musikalischen Metropolen aufschließen könnte. Die Suche nach einem Standort droht in einem quälenden Rinnsal eines „Hier geht es nicht, da passt es nicht“ zu versiegen.

          Reiter, in Rain am Lech geboren, im Münchner Stadtteil Sendling aufgewachsen, ist im Auftreten und Diktion ein anderer Typus als der Schwabinger Ude, der nur zu gerne den Bohemien im Rathaus gab. Politisch gesehen muss Reiter aber fürchten, als wiedergeborener Ude wahrgenommen zu werden; manche Wähler könnte diese Kontinuität eher verschrecken als anziehen. Ude, 1993 erstmals an die Stadtspitze gewählt und mehrfach mit ansehnlichen Mehrheiten bestätigt, wirkte in den vergangenen Jahren oft wie eine Parodie seiner selbst. Zuweilen war es eine müde Parodie, die den Darsteller selbst auch zu langweilen schien – und in die nur Udes Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl Abwechslung brachte.

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