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Kommunalwahl in Bayern : Der Sieg des braven Sozis aus der Vorstadt

  • -Aktualisiert am

Dieter Reiter (l.) und Josef Schmid Bild: dpa

Die Münchner haben SPD-Mann Reiter zu ihrem Oberbürgermeister gewählt. Sie fürchteten, Seehofer könnte ihr Rathaus als Filiale in seine Staatskanzlei eingliedern.

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          Die Bayern haben ihre eigene Gewaltenteilung, die sich auf eine volkstümliche Formel bringen lässt: In der Staatskanzlei regiert ein Schwarzer, im Münchner Rathaus ein Roter. Josef Schmid hat sich redlich bemüht, allenfalls als entfernter politischer Verwandter Horst Seehofers wahrgenommen zu werden. Niemand konnte dem CSU-Politiker im Wahlkampf nachsagen, er nehme den Christopher Street Day weniger wichtig als Münchner Stadtgründungsfest. Gegenüber Schmid, der aus jeder Pore Weltläufigkeit verströmte, blieb Dieter Reiter nur der Part des braven Sozis aus der Vorstadt, der ein Straßenfest mindestens so aufregend wie den Karneval in Rio findet.

          Den Münchnern, die Reiter am Sonntag in der Stichwahl zum Oberbürgermeister gewählt haben, einen heimlichen Hang zur Biederkeit zu unterstellen, griffe aber zu kurz. Sie fürchteten, Seehofer könnte ihr Rathaus als Filiale in seine Staatskanzlei eingliedern. Lieber haben sie in Kauf genommen, dass die schon lange währende Dominanz der SPD in München fortgeschrieben wird, mit den Folgen, die lange Regierungszeiten mit sich bringen.

          Das wirtschaftliche Debakel des städtischen Klinikums geht auch auf personelle Monokulturen zurück. In Konsistenz und Haltbarkeit unterscheidet sich roter von schwarzem Filz wenig.

          Ganz im Gleichgewicht ist die weiß-blaue Gewaltenteilung aber nicht. Die CSU regiert das Land mit einer eigenen Mehrheit. In München ist die rot-grüne Stadtratsmehrheit der vergangenen Jahre Geschichte. Reiter muss auf Klein- und Kleinstparteien zugehen und Bündnismöglichkeiten ausloten. Das wird seinen Preis haben und es erschweren, das sozialdemokratische Profil zu schärfen. Der Ausweg einer großen Koalition verbietet sich für die SPD, will sie nicht riskieren, dass sich der Schatten Horst Seehofers über das Münchner Rathaus legt. Strahlende Sieger sehen anders als Reiter aus.

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