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F.A.S. exklusiv : Was die kommunalen Stromversorger zum Schutz vor Cyberangriffen fordern

Kein Strom wegen Cyberangriffen? Die kommunalen Stromversorger sind in Sorge. Bild: dpa

Könnten Cyberangriffe die Stromversorgung in Teilen Deutschlands komplett lahmlegen? Der Verband kommunaler Unternehmen ist besorgt – und dringt auf klare Zuständigkeiten.

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          Die kommunalen Stromversorgungsunternehmen in Deutschland sehen die Gefahr, dass Cyberangriffe auf ihre Anlagen auf einen Schlag Teile des Landes komplett lahmlegen könnten. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hat deshalb eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wie aus seiner Sicht die Sicherheitsarchitektur rasch verbessert werden könnte, um auf solche Fälle vorbereitet zu sein.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Katherina Reiche, die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes, sagte der F.A.S. „Die Stromversorgung als Herzschlag der digitalen Gesellschaft muss im Interesse der nationalen Sicherheit auch Teil der deutschen Cyber-Sicherheitsarchitektur werden.“

          Seit längerem sei der Verband deshalb mit dem Bundesinnenministerium im Gespräch und dort auf großes Entgegenkommen gestoßen. Reiche sagte, die Cyber-Sicherheitsarchitektur insgesamt müsse renoviert werden. Sie bezieht sich dabei unter anderem auf das nationale Cyber-Abwehrzentrum, das es seit knapp acht Jahren gibt und das ausgebaut werden soll. Künftig sollten nicht nur Sicherheitsbehörden dazu gehören. Reiche: „Eine zentrale Bundeszuständigkeit zur Cyber-Sicherheit ist notwendig, um mit schlanken Strukturen und kurzen Entscheidungswegen frühzeitig auf Cyberbedrohungen aller Art zu reagieren. Die Stadtwerke und Netzbetreiber müssen dabei einbezogen sein.“

          Verband plädiert für nationales Lage- und Führungszentrum

          Zwar sei die dezentrale Struktur der Verteilnetze unter Sicherheitsaspekten gerade von Vorteil, weil so nicht alles auf einen Schlag lahmgelegt werden kann. Andererseits plädiert der Verband für eine Art nationales Lage- und Führungszentrum – wie es das etwa für die Luftraumsicherheit schon gibt. „Der Zuständigkeitsdschungel, wie wir ihn derzeit haben, erschwert im Ernstfall rasche Maßnahmen“, sagte Reiche.

          Aus ihrer Sicht ist zudem das ohnehin geplante IT-Sicherheitsgesetz 2.0 von großer Bedeutung. Durch das Gesetz sollen die Hersteller von IT-Produkten gezwungen werden, mehr Verantwortung für die Sicherheit ihrer Erzeugnisse zu übernehmen. Wenn Stadtwerke Anlagen kauften, müssten sie sich darauf verlassen können, dass diese gegenüber Hackerangriffen die größtmögliche Sicherheit bieten. Und dass die Hersteller sie sofort informierten, wenn doch Sicherheitslücken auftauchen.

          Ein weiterer Vorschlag für mehr Cyber-Sicherheit kam sogar vom Innenministerium selbst: Die Stadtwerke sollten an der 450-Megaherz-Frequenz beteiligt werden. Die gilt als besonders krisenfest und soll nach dem Willen der Bundesnetzagentur ohnehin künftig bereitgestellt werden „für Anwendungen kritischer Infrastrukturen, da ein erhebliches Interesse an einer krisensicheren Kommunikation besteht“.

          Eine Entscheidung gibt es noch nicht. Derzeit ist die Frequenz noch zwei Unternehmen zugeteilt, befristet bis Ende 2020. VKU-Hauptgeschäftsführerin Reiche sagte dazu: „Stadtwerke und Verteilnetzbetreiber müssen zur krisensicheren Kommunikation zwingend an der 450-Megaherz-Frequenz teilhaben.“

          Die kommunalen Unternehmen spielen eine zentrale Rolle bei der Stromversorgung Deutschlands. Zum Verband gehören insgesamt  etwa 1500 Unternehmen, darunter sind knapp neunhundert Stadtwerke. Sie betreiben etwa sechzig Prozent der örtlichen Netze.

          Zwar hat es bislang noch keinen erfolgreichen Angriff auf diese Infrastruktur gegeben. Aber 2013 hatten die Ettlinger Stadtwerke im Süden von Karlsruhe einen Hackerangriff geprobt: Der fiktive Angreifer brauchte nur wenige Minuten, um das Passwort zu entschlüsseln und hätte Tausende Kunden vom Stromnetz und in der Folge von der Wasserversorgung abschneiden können.

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