https://www.faz.net/-gpf-adii9

Sachsen-Anhalt : Deutschland-Koalition?

  • -Aktualisiert am

Deutschland-Koalition in spe in Sachsen-Anhalt: Lydia Hüskens (l), FDP-Landesvorsitzende und Andreas Schmidt (r), SPD-Landesvorsitzender begrüßen sich hinter Sven Schulze, CDU-Landesvorsitzender. Bild: dpa

Als Koalitions-Versuchslabor hat Sachsen-Anhalt schon einige Modelle erprobt. Nun soll eine Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP für stabile Regierungsverhältnisse sorgen. Taugt sie auch für Deutschland?

          1 Min.

          Stell dir vor, es ist Wahlabend in Berlin, und die Grünen werden nach dem 26. September nicht zum Regieren gebraucht. Nicht einmal als Juniorpartner der Union oder einer SPD, deren Kanzlerkandidat Scholz angesichts der Umfrage-Talfahrt der Grünen schon ein „Momentum“ für ein sozialdemokratisches Überholmanöver in Richtung „20 Plus“ sieht.

          In Sachsen-Anhalt wird dieser Albtraum für die Grünen wohl wahr. Statt als kleinste Fraktion in einer fragilen und von der CDU ungeliebten Kenia-Koalition zusammen mit der SPD weiter zu wursteln, dürfen die Grünen als Opposition in Magdeburg womöglich die nach 1951 zweite „Deutschland-Koalition“ in einem Bundesland kritisch begleiten.

          Schwarz-Rot-Gelb heißt die neue politische Farbenkombination aus CDU, SPD und FDP, die bei manchen nostalgische Gefühle weckt. Nach der vermeintlich guten alten westdeutschen Zeit vor 1983, als ein übersichtliches Dreiparteiensystem den einen oder anderen Machtwechsel in Bund und Ländern mit (bis auf 1969) stabilen Mehrheiten garantierte.

          Als weder die Grünen noch extremere Parteien am linken und rechten Rand in vielen Landesparlamenten komplizierte Dreierbündnisse zum politischen Alltag werden ließen. Ob eine „Deutschland-Koalition“ auch zum Regierungsmodell für Deutschland taugt? Vor 100 Jahren hat eine ähnliche Konstellation nicht die Stabilität der Weimarer Republik sichern können. Diese Gefahr besteht heute nicht mehr. Auch dank CDU, SPD und FDP.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

          Weitere Themen

          Kanzlerin ohne Konfetti

          Merkels langer Schatten : Kanzlerin ohne Konfetti

          Angela Merkel wollte sich lange nicht in die Nachfolgefrage einmischen. Das musste sie auch nicht: Alle Kandidaten haben sich an ihr orientiert.

          Topmeldungen

          Kanzlerin ohne Konfetti: Keine Schonung, keine Unterstützung - nicht in der Todeszone der Hochgebirgspolitik

          Merkels langer Schatten : Kanzlerin ohne Konfetti

          Angela Merkel wollte sich lange nicht in die Nachfolgefrage einmischen. Das musste sie auch nicht: Alle Kandidaten haben sich an ihr orientiert.
          Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler (/links) und der Spitzenkandidat Rainer Brüderle am 23. September 2013, dem Tag nach der Bundestagswahl

          Bundestagswahlen seit 1949 : 2013: Die FDP fliegt aus dem Bundestag

          19 Wahlen, 19 Geschichten. Heute: Angela Merkel beschert der Union aus heutiger Sicht unerreichbare 41,5 Prozent. Aber das eigentliche Ereignis der Bundestagswahl 2013 ist das Scheitern der Liberalen. Teil 18 unserer Wahlserie.
          Edgar Engist  mit seinen Hunden und Schafen auf seiner Wiese in Bollschweil. Der Schäfer fragt sich, warum Wölfe so viel mehr wert sein sollen als seine Arbeit.

          Landfrust : Im Würgegriff der Bürokraten

          Von Wolf bis Windkraft: Gut gemeinte Vorschriften, die in fernen Großstädten erdacht werden, treiben die Selbständigen auf dem Land in den Wahnsinn.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.