https://www.faz.net/-gpf-a4m34

Nun doch: eine Studie : Die Polizei, dein Punchingball und Hassobjekt

Angehende Polizisten Nordrhein-Westfalens stellen sich am 16. Oktober in Münster zum Einmarsch bei ihrer Vereidigung auf. Bild: dpa

Grüne und Linkspartei wollten mit Hilfe der SPD aus Polizisten generell potentielle Täter machen. Seehofer hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

          1 Min.

          Es wäre die Krönung eines bis heute gepflegten Misstrauens gegen die „Bullen“ gewesen, wenn Grüne und Linkspartei sich durchgesetzt hätten und mit Hilfe der SPD den Generalverdacht des Rassismus „wissenschaftlich“ in die Polizeiwachen hätten tragen dürfen. Warum dabei ein objektiver Befund herauskommen sollte, ist unerfindlich. Es gibt höchst wissenschaftliche Studien über Extremismus, aus denen die Hälfte der Bevölkerung als potentielle Faschisten hervorgeht. Erkenntnis gibt es eben nicht ohne Interesse.

          Horst Seehofer machte einen Strich durch diese Rechnung, stellvertretend für viele, eigentlich zuständige Länder, die sich vornehm zurückhielten. Ganz durchhalten konnte Seehofer seine Linie aber nicht. Vielleicht wollte er das gar nicht, weil als Gegenleistung eine langersehnte Einigung mit der SPD im Verfassungsschutzrecht winkte.

          Die Untersuchung, die es nun geben soll, nimmt darauf Rücksicht, dass Polizisten weit öfter Diskriminierung ausgesetzt sind, als dass sie von ihnen ausgeht. Beispiele dafür sind Legion. Das jüngste stammt aus dem Dannenröder Forst, wo militanter Hass, animiert auch von Grünen- und Linken-Politikern, Polizisten nach dem Leben trachten darf (weil sie alle „Rassisten“ sind?).

          Aber auch im Alltag spielt sich diese Misshandlung von Polizisten immer häufiger ab. Darin äußert sich asoziales Verhalten, das bestärkt wird, indem Polizisten wie die Prügelknaben der Nation, wie Repräsentanten eines entrückten „Systems“ behandelt werden – obwohl sie sich wie Ausputzer mangelhafter Integration und eines gestörten Gemeinsinns fühlen müssen.

          Auch solchen Spuren, die viel breiter sind als die rechtsextremistischen Umtriebe in Polizeirevieren, soll die Polizei-Studie nachgehen. Es geht um Ursache und Wirkung: Vernachlässigung macht etwas aus Polizisten, was der Gesellschaft nicht egal sein kann. Sie macht sie anfällig für Resignation, für das Denken in Sündenböcken, für Wagenburgmentalität, für Corpsgeist, für Radikalisierung. Das entschuldigt Rassismus nicht. Aber es ist ein Ansatz, ihn zu bekämpfen. Deshalb bewirkt die Studie in dieser Form hoffentlich Gutes.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Trump scheitert wieder bei Wahl-Anfechtung Video-Seite öffnen

          Erneute Niederlage : Trump scheitert wieder bei Wahl-Anfechtung

          Weitere juristische Niederlage für Präsident Donald Trump: Ein Bundesberufungsgericht hat die Anfechtung des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl im Schlüsselstaat Pennsylvania abgewiesen und damit ein Urteil aus erster Instanz bestätigt.

          Topmeldungen

          Baukräne stehen an einer Baustelle in Berlin.

          Wohngemeinnützigkeit : Ein Bärendienst für den Wohnungsmarkt

          Immer lauter wird die Forderung, die Wohngemeinnützigkeit wiederzubeleben. Dass dies eine schlechte Idee ist, zeigt schon das abschreckende Beispiel der Neuen Heimat.
          Frau mit Kopftuch vor der Humboldt-Universität in Berlin

          Redeverbote an Hochschulen : Flucht vor Argumenten

          Eine Forschungsstelle der Uni Köln fordert, die Redefreiheit zu begrenzen, um Grundrechte zu verteidigen. Das würde einer Abschaffung der akademischen Freiheit gleichkommen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.