https://www.faz.net/-gpf-7z63p

Pegida spaltet sich : Der verlängerte Arm der AfD?

Die Schwäche Pegidas war seit Beginn ihres Aufstiegs nicht nur ihre Doppelbödigkeit. Bild: Reuters

Die Spaltung von Pegida geht in eine Richtung, die der AfD zu einem verlängerten Arm verhelfen könnte. Wohin das die AfD treibt, wird sich am Wochenende in Bremen zeigen. Ein Kommentar.

          Die Schwäche Pegidas war seit Beginn ihres Aufstiegs nicht nur ihre Doppelbödigkeit. Sie gab sich bieder, verstand sich aber auch als radikal; sie stellte salonfähige Forderungen, wandelte dabei aber auch am Rande der Volksverhetzung. Doch das eigentliche Problem Pegidas bestand darin, dass die „Spaziergänge“ durch Dresden sich immer wieder buchstäblich im Kreise drehten. Weder Organisatoren noch Sympathisanten wussten, auf was dieser Protest eigentlich hinauslaufen sollte. Verkörperung beider Schwierigkeiten war Lutz Bachmann, einer der Initiatoren, der nicht genug davon bekommen konnte, einmal in der Woche eine jubelnde Menschenmasse in der Hand zu haben.

          Mit dem unrühmlichen und possenhaften Abgang Bachmanns war klar, dass es Pegida in alter Form nicht mehr geben würde. Verschwunden ist die „Bewegung“ deshalb nicht, die eigentlich zu keinem Zeitpunkt schon eine Bewegung war – jedenfalls nicht über Dresden und Sachsen hinaus. Der neue Titel, den sich die von Bachmann enttäuschten Pegida-Aktivisten geben wollen, folgt dem Ratschlag, doch die „Islamisierung“ und das „Abendland“ zu streichen, also die Wörter, die darauf schließen ließen, dass es mit der politischen Vernunft der Veranstalter nicht weit her ist. Ob sie nun „Bewegung für direkte Demokratie in Europa“ heißen wird oder anders – die Geburtsfehler Pegidas, die Doppelbödigkeit und die Orientierungslosigkeit, werden ihre Mitbegründer dadurch nicht los.

          Was kommt nach Pegida? René Jahn, ehemaliges Mitglied der Pegida-Organisationsgruppe in Dresden auf dem Weg zur Landespressekonferenz.

          Die Entwicklung in Dresden deutet allerdings schon seit Tagen darauf hin, dass in den Gesprächen zwischen der sächsischen AfD und Pegida nicht nur die Reste eines islamkritischen Christstollens gegessen wurden. Die Pegida-konformen Vorschläge Alexander Gaulands – Aufnahmestopp für Muslime aus dem Nahen Osten – zeigen, was ein Teil der AfD in der Dresdner Veranstaltung sieht: eine außerparlamentarische Oppositionsbewegung, die der AfD neue Anhänger und Wähler zuspült.

          Am Wochenende wird die AfD in Bremen eine Mitgliederversammlung abhalten, die nicht nur darüber entscheidet, wie viele Vorsitzende die Partei in Zukunft haben soll. Es geht auch darum, ob die „Alternative“ weiter den Weg eines eurokritischen Liberalismus geht oder zur Heimat von Wutbürgern aller Art werden soll. Es wird interessant zu sehen sein, wie sich Politiker, die sich zur Bildungselite zählen, dadurch zu Frontmännern der „Eliten-Kritik“ machen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Ein Klimagesetz binnen 100 Tagen

          Von der Leyen in Straßburg : Ein Klimagesetz binnen 100 Tagen

          Mit Verve und in drei Sprachen wirbt Ursula von der Leyen vor dem EU-Parlament für sich. Nun beraten die Abgeordneten darüber, ob sie die CDU-Politikerin zur Kommissionspräsidentin machen wollen. Alle Blicke richten sich auf eine Fraktion.

          Trump verschärft Angriffe auf Kongressfrauen Video-Seite öffnen

          „Sie müssen Amerika lieben“ : Trump verschärft Angriffe auf Kongressfrauen

          Die Kommentare des US-Präsidenten richten sich gegen eine Gruppe, die im Kongress informell als „The squad“ bekannt war: Alexandria Ocasio-Cortez, Ilhan Omar, Ayanna Pressley und Rashida Tlaib. Omar hob Trump nun besonders hervor und behauptete, sie bevorzuge die extremistische Gruppe Al-Qaida gegenüber den Vereinigten Staaten.

          Topmeldungen

          Warb auf Französisch, auf Deutsch und auf Englisch vor dem Europaparlament für sich: Ursula von der Leyen

          Von der Leyen in Straßburg : Ein Klimagesetz binnen 100 Tagen

          Mit Verve und in drei Sprachen wirbt Ursula von der Leyen vor dem EU-Parlament für sich. Nun beraten die Abgeordneten darüber, ob sie die CDU-Politikerin zur Kommissionspräsidentin machen wollen. Alle Blicke richten sich auf eine Fraktion.
          Der Eingriff in die bundesweite Verteilung von Krankenhäusern muss mit chirurgischer Präzision ausgeführt werden – sonst leidet die Versorgungssicherheit vor allem auf dem Land schnell.

          Zu viele Hospitale : Der Patient Deutschland

          Die Deutschen lieben ihr Krankenhaus in direkter Nähe – mag es auch noch so schlecht ausgestattet sein. Daher hat auch die Politik kein Interesse an einem großflächigen Abbau der Hospitäler. Vernünftig ist das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.