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Nachfolgedebatte : Verkehrte CDU

Ihm kann es nicht recht sein, wenn die Kanzlerkandidatur auf Markus Söder zuläuft. Er macht das alles schließlich nur, um Kanzler zu werden: Friedrich Merz auf einer CDU-Veranstaltung in Murrhardt. Bild: dpa

Die CDU ist in einer Verfassung, die sie nur aus Zeiten kennt, als sie in der Opposition war. Sie sollte nicht so lange warten, bis sie tatsächlich dort landet.

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          Richtig glücklich scheint die CDU mit ihrer doppelten Kandidatenkür – Vorsitz und Kanzlerkandidatur – nicht zu werden. Das liegt nicht so sehr am Wettbewerb, der immer auch Streit und deshalb Unruhe bedeutet. Da hat Wolfgang Schäuble recht: Das gehört zur innerparteilichen Demokratie, wenn auch nicht zwingend.

          Die Belastung der Partei entsteht nicht nur durch das Verfahren, sondern vor allem durch die Aussichten, die sich für die Zeit danach eröffnen. Der neue CDU-Vorsitzende wird in neun Wochen mit großer Sicherheit nicht so souverän gewählt werden, dass danach klar wäre, wer Herr im Haus ist und wer CDU und CSU in die nächste Bundestagswahl führt.

          Die Umfragen tun ihr übriges, vor denen auch Schäuble gehörigen Respekt zu haben scheint. Es ist nicht zu erwarten, dass einer der drei Bewerber allein durch die Tatsache, dass er Vorsitzender geworden ist, aus dem Schatten Merkels treten könnte. Das Gegenteil, der Verlust des Merkel-Bonus, ist wahrscheinlicher.

          Die Wahlkämpfer der CDU – im März wird in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt, in Hessen finden Kommunalwahlen statt – werden deshalb nervös. Denn ihre Landesverbände drohen zu Versuchskaninchen des Übergangs zu werden. Volker Bouffier hat deshalb auf frühzeitige Klärung gedrungen, weit vor dem März, wie Markus Söder es vorgeschlagen hatte.

          Bouffiers Vorstoß hinterließ allerdings nur noch mehr Unklarheit. Was meinte er damit, dass schon vor dem Stuttgarter Parteitag die Kanzlerkandidatur ausgehandelt werden müsse? Meinte er: Söder? Oder meinte er: Einigt Euch auf einen Kandidaten für Stuttgart, der sich mit Söder schon vorher einigt? Also: Laschet?

          Friedrich Merz wird Mahnungen zur Eile nicht gerne hören. Klärte sich jetzt schon, auf welchem Weg auch immer, die Kanzlerkandidatur an ihm vorbei, müsste Merz in Stuttgart gar nicht mehr antreten: Er ist der Einzige, der das alles schließlich nur macht, um Kanzler zu werden.

          Laschet wäre für eine „Teamlösung“ sofort zu haben, hat aber keinen Hebel, um Merz zum Verzicht zu bewegen. Umgekehrt gilt dasselbe für Merz. So bleibt die CDU noch lange in einer Verfassung, die sie nur aus Zeiten kennt, als sie in der Opposition war. Es ist eine verkehrte CDU, die Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer hinterlassen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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