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Höchststrafe für Raser : Zum zweiten Mal Mord

Einer der beiden Angeklagten steht in einem Gerichtssaal und wartet mit dem Mitangeklagten auf sein Urteil. Bild: dpa

Das Berliner Urteil ist auch ein Signal an alle Autofahrer. Natürlich wird sich jeder dagegen verwahren, ein potentieller Mörder zu sein. Der Berliner Fall ist extrem – und doch nicht gänzlich einzigartig auf Deutschlands Straßen.

          Mord. Auch im zweiten Anlauf hat das Berliner Landgericht zwei Raser zur Höchststrafe verurteilt; dieses Mal, nachdem der Bundesgerichtshof die erste Verurteilung aufgehoben hatte, mit einer genaueren Würdigung des Vorsatzes. Ergebnis: Die Täter haben den Tod anderer Verkehrsteilnehmer billigend in Kauf genommen und mit gemeingefährlichen Mitteln – hier ihren hochmotorisierten Autos – einen arglosen Menschen heimtückisch getötet. Wer sich die Fakten vor Augen führt, ein spontanes Rennen mit bis zu 170 Stundenkilometern über den Kurfürstendamm samt roter Ampeln, dem wird das Wort von einer „mörderischen“ Raserei leicht über die Lippen kommen. Das war so lebensmüde wie rücksichtslos.

          Mord. Das Urteil ist auch ein Signal an alle Autofahrer. Natürlich wird sich jeder dagegen verwahren, ein potentieller Mörder zu sein. Der Berliner Fall ist extrem und doch nicht gänzlich einzigartig auf Deutschlands Straßen. Überhöhte Geschwindigkeit und Fahrten unter Einfluss von Alkohol sind – ihrer Häufigkeit nach – Allerweltsdelikte und überhaupt nur unter besonderen Umständen strafbar. Die hohe Leistung und die hohe Sicherheit selbst kleinerer Fahrzeuge tun ihr übriges. Das noch eben schnelle Überholen, das über dunkelgelbe Ampeln Fahren gehören zum Alltag. Und Verkehrsverstöße werden im Autoland noch immer vergleichsweise milde geahndet. Vor diesem Hintergrund erscheint es erstaunlich, dass das Berliner Landgericht, anders als zuvor, im Berliner Fall nun auch vom Mordmerkmal der „niederen Beweggründe“ ausgeht: Das Motiv, das Autorennen um jeden Preis zu gewinnen, sei „sittlich auf tiefster Stufe stehend gewesen“. Der Vorsitzende Richter sagte, der Tatort habe ausgesehen wie nach einem Terroranschlag. Für das Opfer hatte er auch eine solche Wirkung. Aber gilt das auch für die Gesinnung der Täter?

          Mord. Aber auch dieses Urteil war noch nicht das letzte Wort. Es gibt aber insgesamt gute Gründe dafür, dass es im Ergebnis Bestand hat. Dieses Urteil würdigt nur das Tun dieser beiden Angeklagten. An ihnen soll kein Exempel statuiert werden. Aber Strafurteile sollen auch eine Breitenwirkung haben. Das ist in diesem Fall zu hoffen. Zudem bedeutet lebenslang aus gutem Grund in der Regel nicht lebenslang. Erst recht nicht für Autofahrer: Die Fahrerlaubnisse wurden hier nur für fünf Jahre entzogen.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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