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Jasper von Altenbockum (kum.)

Grüne Fraktionsspitze : Özdemirs Hut liegt noch immer im Ring

Nach der Wahl: Annalena Baerbock, Katrin Göring-Eckardt, Kirsten Kappert-Gonther, Anton Hofreiter, Robert Habeck und Cem Özdemir Bild: dpa

Die Fraktion der Grünen gibt Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter nicht gerade einen übergroßen Vertrauensbeweis. Özdemir hat den Finger in eine Wunde der Partei gelegt.

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          Die Grünen werden es mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgen, wenn ihnen die Klimapolitik weiter die Wähler in die Arme treibt. Einerseits bauen sie damit ihren Anspruch aus, neben der Union die maßgebliche politische Kraft im Land zu sein und als solche die SPD abzulösen. Das ist eine Entwicklung, von der sie bislang nur in Baden-Württemberg träumen durften. Andererseits steuern sie damit auf eine Regierungsverantwortung zu, die ihnen abverlangt, was sie jetzt so heftig kritisieren: Kompromisse. Auf Landesebene können sie damit gut leben, auf Bundesebene kommt es aber künftig dicker als noch unter Rot-Grün. Ebenso zwiespältig muss den Grünen zumute sein, wenn sie das Wort Kanzler hören – oder Kanzlerin. Denn dass sie einen Kanzlerkandidaten aufstellen müssen, das scheint ein Gebot der Glaubwürdigkeit.

          Das ist der Hintergrund für die Vorstandswahl in der Bundestagsfraktion am Dienstag – die anderen Fraktionen, die ebenfalls ihre Vorsitzenden wählten, hätten solche Sorgen gerne. Die Grünen aber müssen sich in Gedanken an die Kanzlerkandidatur von ihrer Doppelspitzen-Logik lösen, und die Fraktion muss sich fragen: Wird es einer oder eine von uns?

          Die Parteiführung, ein Novum in der Grünen-Historie, hat im Rennen um die Profilierung in den vergangenen Monaten die Fraktion um Längen abgehängt. Aber sind Annalena Baerbock oder Robert Habeck wirklich kanzlerfähig? Zur unbestrittenen Reife haben sie sich in so kurzer Zeit nicht entwickelt. An der Fraktionsspitze sind die Perspektiven mit Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter noch weniger überzeugend. Beides sähe nur halb so wild aus, wenn es so wäre wie früher. Die Leitfiguren der Grünen waren in Zeiten ihrer frühen Blüte nicht unbedingt die offiziellen Partei- oder Fraktionsführer. Aber auch damit sieht es recht mau aus.

          In diese Lücke sprang nun Cem Özdemir. Er hätte vielleicht eine Option in Baden-Württemberg gehabt, Nachfolger für Winfried Kretschmann zu werden, ist in Stuttgart aber mehr der Berliner Import als der anatolische Schwabe. In Berlin wiederum hängt ihm seit seiner Zeit als Parteivorsitzender neben Simone Peter der Vorwurf an, kein „Teamplayer“ und zu ehrgeizig in eigener Sache zu sein. Um an den Gittern des Kanzleramts zu rütteln, vor allem aber, um reinzukommen, muss das kein Schaden sein. Doch diese Fraktion richtete sich einmal mehr nach den Sternen der Parteiführung. Es bleibt beim grünen Karo. Özdemirs Hut liegt aber immer noch im Ring.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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