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Ganztagsbetreuung : Den Bundesländern fehlt der Mut

  • -Aktualisiert am

Drei Erstklässler stellen am 10. August 2020 in einer Grundschule in Potsdam ihre Schultaschen ab. Bild: dpa

Ein Anspruch auf Ganztagsbetreuung nutzt Schülern wenig, wenn das Angebot dürftig bleibt. Vor allem für die Schwächsten wären beherzte Schritte nötig. Die sind nicht in Sicht.

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          Es ist eine Einigung auf den letzten Metern der Legislaturperiode: Nach monatelangem Streit mit den Ländern über den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler könnte er noch kurz vor der Sommerpause beschlossen werden. Doch der Ganztag ist nur dann sinnvoll, wenn es nicht dabei bleibt, dass vormittags Unterricht stattfindet und nachmittags Betreuung von pädagogisch fachfremdem Personal. Gerade für die schwächsten Schüler müsste es Förderangebote am Nachmittag geben – mit vertiefendem Unterricht und außerschulischen Lernangeboten. Verpflichtend für alle müsste der Ganztag deshalb noch lange nicht sein. Das kostet nicht nur Geld, sondern bedeutet auch, dass Vormittagsunterricht und Nachmittagsbetreuung viel besser koordiniert werden müssen.

          Ein besseres Zusammenspiel wäre auch mit der Kinder- und Jugendhilfe nötig. Die von den Kommunen getragene Kinder- und Jugendhilfe muss mit den von den Ländern getragenen Schulen an einem Strang ziehen, sonst wird das milliardenschwere Aufholprogramm sich in einigen wahlkämpferischen Sofortmaßnahmen erschöpfen. Dass etwa 20 bis 25 Prozent der Schüler so schwere Lerndefizite haben, dass ihre Ausbildungsfähigkeit gefährdet ist, war schon immer so, nur hat die Pandemie die Probleme dieser Schüler zusätzlich verschärft.

          Doch den Ländern fehlt der Mut dazu, sich auf diese Gruppen zu konzentrieren. Das beginnt damit, dass die meisten von ihnen nicht bereit sind, den Lernstand mit einigen wenigen Testaufgaben zuverlässig zu erheben, und stattdessen darauf verweisen, dass die Lehrer ihre Schüler am besten kennen würden. Die Hausärzte kennen ihre Patienten auch am besten, das entbindet sie aber nicht von diagnostischen Schritten. Es wäre deshalb sinnvoll, sich auf Übergangsklassen vor Abschlüssen oder weiterführenden Schulen zu fokussieren und gezielt durch pädagogisches Fachpersonal zu unterstützen. Das könnten dafür qualifizierte Lehramtsstudenten oder Pensionäre sein. Bleibt es bei der Vielzahl der Fördermöglichkeiten, wird das Programm nicht schaden, der Nutzen wird jedoch ausbleiben.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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