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Impfen von Jugendlichen : Sündenfall der Politik

  • -Aktualisiert am

Impfaktion für Schüler in Bayern: Eine Jugendliche lässt sich im Impfzentrum in München impfen. Bild: SvenSimon

Die Entscheidung der Gesundheitsminister, das Impfangebot für Kinder und Jugendliche auszuweiten, empört Ärzteverbände und brüskiert die Ständige Impfkommission. Andere Länder wie die USA sind nicht so zögerlich.

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          Fast alle Ärzteverbände sind empört über die flächendeckende Ausweitung des Impfangebots an Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren. Ihr Zorn richtet sich gegen die Politik. Die hat einen Sündenfall begangen, indem sie sich erstmals in der Pandemie von der Position der Ständigen Impfkommission abgesetzt hat, dem Wissenschaftsgremium mit der höchsten Reputation in Impffragen hierzulande. Denn die vor Corona kaum einem Bürger bekannte STIKO sieht bisher keinen individuellen medizinischen Nutzen für eine Schutzimpfung gegen Covid-19 in dieser Alterskohorte. Zu mager ist für sie die Datenlage über mögliche Nebenwirkungen der zugelassenen Impfstoffe von BioNTech und Moderna, um eine Impfempfehlung auch für gesunde Kinder und Jugendliche auszusprechen.

          In anderen Ländern wie den Vereinigten Staaten haben ähnlich streng prüfende wissenschaftliche Gremien dies anders beurteilt, gerade mit Blick auf die weitaus ansteckendere Deltavariante und Long-Covid-Folgen. Dort wird zur Impfung von Teenagern geraten. In dieser Abwägung, auch aus Sorge vor Massenquarantäne vieler infizierter Schüler und somit auch vor Schulschließungen, haben sich Gesundheitsminister Spahn (CDU) und seine Länderkollegen für das Ende des Abwartens entschieden. Der Schritt zeigt indes die Rat- und Tatenlosigkeit der Politik angesichts der vielen erwachsenen Impfverweigerer. Nun sollen es die Jüngeren richten. Das ist ein Ausweichen vor dem Grundproblem.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

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