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Keine kostenlose Bürgertests : Blindflug in der Pandemie

  • -Aktualisiert am

Ein Corona-Test im November 2020. Bild: Lucas Bäuml

Die Entscheidung der Ampelkoalition, die kostenlosen Corona-Tests abzuschaffen, ist Ausdruck einer fahrlässigen Corona-Politik.

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          Auch im dritten Jahr der Pandemie prägt ein fatales „Stop-and-go“-Prinzip die deut­sche Corona-Strategie. Obwohl das Land wegen einer neuen, noch ansteckenderen Virus-Subvariante schon mitten in einer Sommerwelle mit rasch steigenden Infektionszahlen steckt, entscheidet sich die Am­pelkoalition für einen riskanten Blindflug. Statt weiter auf bewährte Instrumente bei der Eindämmung der Pandemie zu vertrauen, schafft sie den kostenlosen Corona-Bürgertest ab. Ihn künftig für drei Euro an­zubieten ist unklug und fahrlässig. Viele Bürger werden sich angesichts ohnehin drastisch steigender Lebenshaltungskosten den Gang in die Testzentren sparen. Viele Infektionen wer­den unerkannt bleiben, ihre Träger aber womöglich gesundheitlich Gefährdete oder Ältere anstecken, die keinen oder nur einen geringen Impfschutz haben.

          Es scheint ein Muster zu sein, dass die Politik in egal welcher Koalition nicht aus Fehlern in ihrem Kampf gegen Corona lernen kann oder will. Schon einmal im vergangenen Herbst schaffte der damalige CDU-Gesundheitsminister Spahn die kostenlosen Bürgertests ab. Die Begründung damals: Nur durch finanziellen Druck auf Impfunwillige lasse sich die Impfquote signifikant steigern. Das war ein Irrtum, wie sich bald he­rausstellte. Die Tests wurden wieder gratis, was die Weiterverbreitung des Virus in vielen Fällen durch erkannte Infektionen verhinderte.

          Wie schon beim Koalitionsgerangel um Impfpflicht und Infektionsschutzgesetz hat sich SPD-Gesundheitsminister Lauterbach wieder dem Willen der FDP gebeugt. Er selbst hätte ja gern weiter kostenlose Bürgertests angeboten, doch die Haushaltslage erlaube es nicht, sagte Lauterbach nach dem Treffen mit Fi­nanzminister Lindner. Wer wie die FDP die Eigenverantwortung der Bür­ger für ihre Gesundheit stützen will, kann nicht mit der Haushaltsdisziplin argumentieren. Die wirtschaftlichen Folgen einer ungebremsten Corona-Welle im Herbst und Winter wären allemal teurer.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

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