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Urteil gegen Niels H. : Nicht nur ein Schuldiger

Im Urteil gegen Niels H. wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Bild: EPA

Es liegt ein Fehler im System, wenn ein Pfleger so vielen Patienten das Leben nehmen kann. Das Urteil gegen Niels H. kann erst der Anfang einer umfassenden Aufklärung sein.

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          Die größte Mordserie in Friedenszeiten seit Menschengedanken ist kaum zu fassen. Sie hat keinen politischen Hintergrund, aber sie fand im geschützten Raum der Heilung und Pflege statt: im Krankenhaus. Der Täter ist zur Höchststrafe verteilt worden – dafür reicht ein einziger Mord. Aber dass er wohl nie mehr in die Freiheit entlassen werden wird, ändert nichts daran, dass diese monströse Serie nicht nur einen Schuldigen hat.

          Es liegt ein Fehler im System, wenn ein Pfleger so vielen Patienten das Leben nehmen kann. So schwierig es ist, in Strukturen, die unter Personalmangel leiden und nicht zuletzt auf Vertrauen basieren, Mitarbeiter zu kontrollieren, so klar ist doch, dass das Urteil gegen Niels H. erst der Anfang einer umfassenden Aufklärung sein kann.

          Auch wenn die Zahl der Morde präzedenzlos ist – neu ist das Phänomen der „Todespfleger“ nicht. So werden künftig viele genauer hinschauen, auch Patienten und deren Angehörige. Und über Auswahl und Befugnisse des Personals mag neu nachgedacht werden. Schreckliche Einzeltaten kann man kaum ausschließen. Mordserien hoffentlich schon.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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