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Kriminalstatistik : Ehrlich und präzise

  • -Aktualisiert am

Im Winter 2016 machte die Polizei ernst. Im Düsseldorfer Maghreb-Viertel wurde gezielt nach nordafrikanischen Taschendieben gefahndet. Bild: dpa

Rechtspopulisten berufen sich öfter darauf, dass die Nationalitäten mutmaßlicher Straftäter von Medien absichtlich nicht genannt werden. Um dem entgegenzuwirken, sollte man das Kind einfach beim Namen nennen.

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          Es gehört zu den Versäumnissen des gesellschaftlichen und politischen Diskurses in Deutschland, dass über lange Zeit nicht offen ausgesprochen wurde, welchen Anteil Ausländer, anerkannte Flüchtlinge oder auch Asylsuchende an der Kriminalität haben. Es war eine Rücksichtnahme, die dem Bemühen geschuldet war, nur ja niemanden, der kein „biologischer“ Deutscher ist, einem Verdacht auszusetzen – sei er nun falsch oder richtig. Die historischen Wurzeln dieser Scheu sind hinlänglich bekannt.

          Es ist gut, dass sich dieses Verhalten ändert, dass etwa die Innenminister von Bund und Ländern in der Polizeilichen Kriminalstatistik, die an diesem Montag wieder vorgestellt wird, jene Gruppen benennen, die durch überdurchschnittliche Kriminalität auffallen. Polizei und Ermittlern ist ohnehin lange bekannt, um wen es sich handelt. Das wurde besonders augenfällig nach den zahlreichen Straftaten in der Kölner Silvesternacht des Jahres 2015. Kurz danach wurde etwa eine Statistik der Bundespolizei bekannt, aus der hervorging, dass annähernd die Hälfte aller Diebstähle von Taschen und Handgepäck auf deutschen Bahnhöfen im Jahr 2015 von Personen aus nordafrikanischen Ländern verübt wurde. Das zu wissen ist für die Sicherheitsbehörden wichtig, um gezielter gegen Straftäter vorzugehen. Wenn dabei deren Herkunft eine Rolle spielt, muss das berücksichtigt werden. Ganz nüchtern und sachlich.

          Solange das nicht geschieht, solange Politik, Behörden, aber auch manche Medien zwar ohne weiteres bereit sind, junge Männer als besonders anfällig für Straftaten zu identifizieren, jedoch vermeiden zu sagen, dass das auch für Angehörige bestimmter Staaten oder Weltregionen gelten kann, ist das wie Dünger für die Böden, die die Rechtspopulisten bestellen. Wenn diese nicht nur auf die Kriminalität selbst verweisen können, sondern zudem den Verantwortlichen zu Recht vorhalten können, nicht mit offenen Karten zu spielen, schadet die Politik jenen Gruppen, die sie eigentlich schützen will. Dieses Gelände gehört zu den schwierigsten, auf dem Politiker sich bewegen müssen. Im Zuge neuer Ehrlichkeit das Kind mit dem Bade auszuschütten, nach der Devise: „Die Ausländer“, „die Asylanten“ seien nun einmal eher kriminell, wäre fatal für den inneren Frieden. Deswegen ist hier Präzision im Umgang mit Tatsachen und Begrifflichkeiten oberstes Gebot.

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          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

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