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Debatte beim Parteitag : Die Frauenfrage der CSU

  • -Aktualisiert am

Will die CSU künftig mehr Plätze mit Frauen besetzen? Darüber wurde beim Parteitag diskutiert. Bild: dpa

Auf dem CSU-Parteitag wurde heftig über die Frauenquote diskutiert. In der Debatte spiegelte sich auch die Verunsicherung darüber, was die CSU im Zangengriff von Grünen und AfD noch sein könnte.

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          Markus Söder ist die klare Nummer eins der CSU. Keine(r) in der Partei wüsste im Moment einen anderen, der sich mehr ins Zeug legen, mehr Aufbruch versprühen würde. Mag sein, dass seine in der Wissenschaftswelt hochgelobte Technologieoffensive nicht jeder versteht – soll er sie deshalb unterlassen? Söder ist auf dem Parteitag mit gut neunzig Prozent als CSU-Chef bestätigt worden. Dass es in der Partei dennoch Unmut und Verunsicherung über die eigene Identität gibt, zeigte sich in der heftigen Debatte über die Frauenquote. Parteien wie die Grünen haben leicht kritisieren; bei ihnen gehört Gleichberechtigung und Frauenförderung zur DNA. Die CSU mit ihrer familienpolitischen Tradition hat es da schwerer. Junge, erfolgreiche Frauen wecken bei manchen in der Partei bis heute Argwohn. Haben sie keine Kinder, ist es nicht recht. Haben sie welche, wird gerne mal gelästert, wenn sie sich abends durch Kreisverbandstreffen quälen, statt daheim Wiegenlieder zu singen.

          Das Familien-Argument wird zum Teil als Hebel missbraucht, um Frauen auszubremsen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass manche Frauen es nicht zuletzt ihrem Geschlecht verdanken, dass sie sind, wo sie sind. Das Problem der Parteireform, die auf dem Parteitag mit Abstrichen beschlossen wurde: Sie ist vor allem funktionalistisch begründet, mit dem Erscheinungsbild, das die Partei andernfalls „draußen“ abgäbe. Parteien retten sich gerne in Verfahrens- und Kommunikationsfragen, wenn sie konzeptionell auf unsicherem Boden stehen. Seit Wochen erzählt die CSU in der Klimadebatte, dass Anreize besser seien als Vorgaben. Wenn das so wäre – spräche das im innerparteilichen Kontext dann nicht gegen eine Frauenquote?

          In der Debatte spiegelte sich die Verunsicherung darüber, was die CSU im Zangengriff von Grünen und AfD noch sein könnte. Volkspartei? Selbst viele Frauen glauben, dass die Quotenfrage dabei nicht entscheidend sei. Es gibt ja unabhängig davon ein Interesse der Parteiführung, Bilder zu vermeiden, auf denen deutlich mehr CSU-Männer als -Frauen zu sehen sind. Als größeres Problem wird angesehen, dass das Leben selbst eines Landtagsabgeordneten mit Familie nur schwer zusammengeht. Eine Politik, die es nötig macht, dass zumindest CSU-Mandatsträger, gleich welchen Geschlechts, sich die Abende in Gremien und auf Grillfesten um die Ohren schlagen, ist nicht mehr zeitgemäß.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

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