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Amoklauf in München : Braune Soße gegen Kopf-ab-Soße

Abgesperrter Bereich: Sicherheitsband riegelt am Freitagabend den Bereich rund ums Münchner Olympia-Einkaufszentrum ab. Bild: dpa

Die Hintergründe des Münchner Amoklaufs zeigen: Es sollten keine Zusammenhänge hergestellt werden, wo keine sind. Das hat mit vernünftiger Politik nichts zu tun. Ein Kommentar.

          Die neuen Erkenntnisse im Fall des Münchner Amokläufers zeigen, dass es – um mit der Kanzlerin zu sprechen – nicht hilfreich ist, direkte Zusammenhänge herzustellen, wo es keine gibt. Sehr schnell ist jetzt der angeblich zwingende Zusammenhang zwischen muslimischen Flüchtlingen und Terrorgefahr hergestellt worden. Ist damit gemeint, dass Flüchtlinge zu Terroristen werden, weil sie traumatisiert sind? Oder dass die Terrorgefahr gebannt oder auch nur minimiert wäre, wenn es keine oder weniger Flüchtlinge gäbe? Ein „Zusammenhang“ gibt es da sicherlich, aber sehr groß ist er nicht.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Der AfD-Politiker Alexander Gauland hat die Frage auf seine Weise beantwortet: Kein Asylrecht mehr für Muslime! Wie will er das mit der Genfer Flüchtlingskonvention  vereinbaren? Mit  dem  Asylrecht? Mit den Grundrechten? Und das alles nur, um die vage Hoffnung zu haben, dass die Täter, die sich unter die Flüchtlinge gemischt haben, dann den Weg nicht mehr nach Deutschland finden? Das hat mit vielem zu tun. Mit vernünftiger Politik hat es nichts zu tun.

          Das wird aber viele nicht davon abhalten, nun - quasi zur Vergeltung - noch einen ganz anderen, direkten Zusammenhang herzustellen: zwischen dem Münchner Amoklauf und der AfD. Das passt zu der beliebten Methode, alles Mögliche in einen Topf zu werfen, bis die Soße endlich braun geworden ist. (Es ist dieselbe Methode, die auch die AfD anwendet, indem sie so viel Islam in einen Topf wirft, bis die Soße endlich nach Kopf-ab schmeckt.) Einen „Zusammenhang“ gibt es da sicherlich: Wer auf Fundamentalismus mit Fundamentalismus reagiert, kann nicht abstreiten, dass er damit den Gefahren Vorschub leistet, die im Fundamentalismus stecken. Aber den direkten Zusammenhang gibt es nur auf die ganz andere Art als gemeint: Wenn es keine AfD gäbe, wäre die Gefahr eines Breivik-Amoks genauso groß.

          Ein dritter Zusammenhang, und den erleben wir seit Monaten schon, ist aber wesentlich wichtiger. Auch und erst recht nach politisch motivierten Amokläufen und Terroranschlägen werden Verantwortliche gesucht, und wer läge da näher als der politische Gegner? Da es um Leben und Tod geht, liegt darin der Grund für Gräben, die zu unüberbrückbaren Klüften werden. Für eine Demokratie ist das besonders schmerzlich. Verantwortlich sind aber in erster Linie die Täter, ihre Mitwisser, ihre Helfer, Einflüsterer und Auftraggeber. Man sollte ihnen nicht den Gefallen tun, dass sich ihr Hassobjekt, unsere Gesellschaft, radikalisiert. Das ist es doch, was sie erreichen wollen.

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