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Mordfall in Kandel : Viele Fragen bleiben ungeklärt

Das mediale Interesse an dem Fall in Kandel ist nach wie vor groß – und genau das gibt ihm die Chance, eine nachhaltige Debatte anzustoßen. Bild: dpa

Der Fall der getöteten Mia V. in Kandel ist mehr als ein Eifersuchtsdrama. Er sollte auch Anlass für eine grundlegende Debatte über die Rechtsprechung in Deutschland sein.

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          Gerechtigkeit muss nicht nur getan, sie muss auch gesehen werden. Deshalb sind Prozesse grundsätzlich öffentlich, deshalb werden ihre meist umfassend begründeten Entscheidungen in großer Zahl in für jedermann abrufbare Datenbanken eingestellt. Doch diese Sichtbarkeit kann für Angeklagte in öffentlichkeitswirksamen Prozessen schmerzlich sein, manchmal schmerzlicher als die Strafe selbst. Da das Gesetz zumindest Jugendlichen die mediale Sezierung ihrer Motive, ihrer Vorgeschichte, ihres Privatlebens ersparen will, war über das Verfahren gegen den möglicherweise minderjährigen Mörder der 15 Jahre alten Mia V. wenig zu erfahren. Dass für ihn keine anderen Maßstäbe gelten können als für andere Angeklagte, versteht sich von selbst. Sein Fall kann aber Anlass sein, über die Maßstäbe grundsätzlich nachzudenken.

          In den Medien ist das schon geschehen: Tauchte der Mord anfangs als vermeintlich ordinäre Beziehungstat lediglich in kleinen Meldungen der Regionalpresse auf, dominierte er schon wenige Tage später die Schlagzeilen des Landes. Das war richtig so, denn in dem Fall verdichten sich Fragen, die über den tragischen Verlauf einer Teenagerliebe weit hinausreichen: Warum durfte der Täter im Land bleiben, obwohl sein Asylantrag abgelehnt worden war? Warum wurde seine Altersangabe nicht medizinisch überprüft? Welche kulturellen Faktoren spielten bei dem Mord eine Rolle?

          Ob und welche gesetzlichen Änderungen die Antworten auf diese Fragen notwendig machen, ist nicht leicht zu sagen – aber das Nachdenken darüber kann erst beginnen, wenn über Taten wie jene von Abdul D. öffentlich berichtet und so eine politische und gesellschaftliche Debatte in Gang gesetzt wird. Dasselbe gilt auch für die juristische Behandlung des Falles: Ob die Höchststrafen im Jugendstrafrecht angehoben werden sollten und ob Gerichte auch in solchen Fällen zumindest die Begründung ihrer Urteile veröffentlichen sollten – darüber lässt sich streiten. Das zu tun, auch wenn der Täter ein Ausländer ist, hat nichts mit falscher Rücksichtnahme gegenüber „Rechten“ zu tun – ebenso wenig, wie es Zeichen von Sprechverboten oder einer Kuscheljustiz ist, dass die geltenden Vorschriften zum Schutz Jugendlicher auch einem Abdul D. zugutekommen.

          Constantin van Lijnden

          Redakteur für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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