https://www.faz.net/-gpf-968bo

Arbeitsmarkt-Kommentar : Zu wenig Rückhalt

In Erklärungsnot: DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann Bild: dpa

Trotz boomendem Arbeitsmarkt verlieren die DGB-Gewerkschaften immer mehr Mitglieder. Ihre Erklärung dafür ist entlarvend.

          1 Min.

          Der Aufschwung am Arbeitsmarkt stellt die Gewerkschaften vor ein Glaubwürdigkeitsproblem: Es gibt so viele Arbeitnehmer wie nie zuvor – und doch geht die Zahl ihrer Mitglieder zurück. Allein im abgelaufenen Jahr haben die acht DGB-Gewerkschaften 50 000 Mitglieder eingebüßt.

          Zwar weisen sie mit Recht darauf hin, dass ihnen die Mitglieder keinesfalls „in Scharen davonlaufen“, wie ihnen früher oft vorgehalten wurde. Sie leiden vielmehr unter einer schiefen Altersstruktur, immer mehr Mitglieder erreichen das Rentenalter und fühlen sich dann nicht mehr auf ihre Dienste angewiesen. Wahr ist aber auch, dass die Zahl ihrer erwerbstätigen Mitglieder kaum steigt. Und eben hier liegt das Glaubwürdigkeitsproblem: Wer in der Tarifpolitik und bei der Regierung mehr Einfluss für Arbeitnehmerinteressen verlangt, sollte mehr Rückhalt vorzuweisen haben.

          Zwar haben die Gewerkschaften auch für dieses Defizit eine Erklärung. Angesichts der Vielzahl prekärer Arbeitsverhältnisse sei die Mitgliederwerbung sehr schwierig geworden. Das allerdings ist nicht überzeugend, sondern entlarvend: Sollte das nicht für betroffene Arbeitnehmer erst recht ein Grund sei, den Schutz einer Gewerkschaft zu suchen?

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Wir brauchen keinen neuen Zentralismus

          Vielfalt als Vorteil : Wir brauchen keinen neuen Zentralismus

          Der Ruf nach einer „Jahrhundertreform“ des deutschen Staatsaufbaus ist gefährlich, weil er Treibstoff für Populisten ist. Der Föderalismus hat sich auch in der Corona-Krise bewährt. Ein Gastbeitrag.

          Söder muss nur noch zuschauen

          Die K-Frage der Union : Söder muss nur noch zuschauen

          Die Unterstützung in der CDU für die Kanzlerkandidatur von Armin Laschet bröckelt Stück für Stück. Umso entschlossener wirkt die CSU. Die christsoziale Kampfmaschine funktioniert reibungslos.

          Topmeldungen

          September 2020: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verfolgt im Bayerischen Landtag eine Rede von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler).

          Die K-Frage der Union : Söder muss nur noch zuschauen

          Die Unterstützung in der CDU für die Kanzlerkandidatur von Armin Laschet bröckelt Stück für Stück. Umso entschlossener wirkt die CSU. Die christsoziale Kampfmaschine funktioniert reibungslos.
          Hedwig Richter, Geschichtsprofessorin an der Bundeswehr-Universität München

          Porträt Hedwig Richter : Die Pop-Historikerin

          Hedwig Richter ist ein Star der Geschichtswissenschaft. Ein neuer Ton macht ihre Bücher über deutsche Demokratie und Kaiserreich zu Bestsellern. Er stößt aber auch auf fachliche Kritik. Ein Porträt.
          Der Herausforderer: Kühlregal mit Yamo-Produkten in einem Schweizer Supermarkt

          Babynahrung : Zoff ums Gläschen

          Wie füttert man sein Baby am besten? Um diese Frage tobt ein Rechtsstreit zwischen Marktführer Hipp und dem Start-up Yamo. Er gibt einen Einblick in einen Markt, in dem vor allem Vertrauen zählt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.