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Coronavirus-Tracing : Ein Äppchen

Auch Frankreich hat sich für eine Tracing-App entschieden. Das Bild entstand im April in Paris, an dem Tag, an dem die Nationalversammlung über die App abstimmte. Bild: AP

Die Angstmacherei um eine „beispiellose Überwachung“ war wieder einmal erfolgreich: Die Tracing-App droht zum Flop zu werden. Dennoch ist ihr eine große Verbreitung zu wünschen.

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          Es hat lange gedauert, bis eine Corona-App in Deutschland zustande gekommen ist. Über die Entstehung und die Rahmenbedingungen haben letztlich Apple und Google entschieden – und die Datenschützer, denen es gewiss nicht um Epidemiologie ging.

          Auch Wissenschaftler irren

          Das kann man begrüßen, doch haben Politiker, die über den Zuschnitt der App zu entscheiden hatten, sich wohl weniger von sachlichen Abwägungen leiten lassen, sondern mehr von der Angst, für eine „beispiellose Überwachung“ verantwortlich gemacht zu werden. Die Warnung stammt von Wissenschaftlern, deren Ängste leicht zu entkräften sind: Die App ist freiwillig. Aber es gibt eben auch Wissenschaftler, die sich beispiellos irren.

          So kommt es, dass den Gesundheitsämtern die App wohl nicht allzu viel helfen wird. Ihr Sinn wäre es gewesen, Infektionsherde und Infektionsketten schneller offenzulegen, als es bislang möglich ist. Das eine scheitert daran, dass Standortdaten nicht gespeichert werden dürfen; das andere daran, dass die Ämter über die Kontakte eines Infizierten auch weiterhin nicht zuverlässig informiert werden.

          Ob eine Warnung ernst genommen wird und, wenn ja, wann die Gesundheitsämter davon erfahren, weiß niemand. Umständlich ist auch die Identifizierung der Infizierten. Die aufwendige telefonische Detektivarbeit der Ämter wird jedenfalls nicht sonderlich entlastet. Dennoch: Dieser App ist eine große Verbreitung zu wünschen. Denn trotz allem bietet sie zusätzlichen Schutz. Auch wenn es nur ein Äppchen ist.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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