https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kommentar-zu-tauberts-parteireform-bunte-cdu-13005761.html
Jasper von Altenbockum (kum.)

Taubers „Parteireform“ : Bunte CDU

Die CDU sieht ihre Zukunft als Volkspartei gefährdet. Dagegen etwas zu tun, kann nicht schaden. Aber Taubers Pläne machen um die eigentlichen Probleme der Partei einen großen Bogen.

          1 Min.

          Muss die CDU der SPD eigentlich alles nachmachen? Die Vorschläge des Generalsekretärs Peter Tauber für eine „Parteireform“ sehen auf den ersten Blick so aus, als habe die Partei so lange darauf gewartet, bis die SPD aus ihren Erfahrungen mit Mitgliederentscheiden, „Netzwerken“ und Debattierzirkeln gelernt hat und sich die Spreu vom Weizen trennen lässt. Auch die SPD hat schließlich vor Jahren mit einer Aktivierung von Parteimitgliedern und Anhängern begonnen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass jeder dritte Kreisverband nur noch aus Karteileichen bestand. Damals hatte die SPD allerdings auch inhaltlich an Auszehrung gelitten; sie war, schlimmer noch, zum Gegenteil dessen gezwungen worden, was sie machen wollte. Es war die Zeit nach Schröder, als die Partei keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlockte.

          Das kann man von der CDU (noch) nicht sagen, und es fragt sich, warum die angeblich letzte Volkspartei, die sich immer noch rund vierzig Prozent der Stimmen erkämpft, auf ähnliche Rezepte wie die einer Zwanzig-Prozent-Partei zurückgreift. Zwei Gründe dürften dafür ausschlaggebend sein: In Zeiten niedriger Wahlbeteiligung kann Wahlen nur gewinnen, wer besser mobilisiert. Das geht mit polarisierenden Themen, aber das beste Thema ist nichts ohne Organisation. Eine Partei, der die Mitglieder buchstäblich wegsterben und damit das Reservoir ihrer Funktionäre, vom Ortsverband bis hinauf zur Bundespartei, verloren geht, muss darauf reagieren.

          Der zweite Grund: Die CDU kann derzeit Wahlen gewinnen, weil Angela Merkel Bundeskanzlerin ist. Selbst in den Ländern ist das so, wenn dann auch in etlichen Fällen die Koalitionsmöglichkeiten gegen sie sprechen. In den Kommunen aber färbt das schon lange nicht mehr ab. Beim Nachdenken über die Zeit „nach Merkel“ muss es der CDU kalt den Rücken herunterlaufen.

          Taubers Anlauf zu einer Parteireform macht allerdings um das größte Problem der CDU einen Bogen. Das ist die Konturlosigkeit der neuen Konturen, die sich die Partei unter Merkel zugelegt hat. Es kann nicht schaden, wenn die CDU „jünger, weiblicher und bunter“ wird. Wenn sie es dann eines Tages ist, wäre es schön, wenn wenigstens die Jungen, Weiblichen und Bunten wieder wissen, was die CDU eigentlich will. Die Alten, Männlichen und Schwarzen wissen es schon lange nicht mehr. Denn die CDU sieht vor lauter Kolorit die Farben nicht.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wer soll das bezahlen? Vorbereitungen des G-7-Gästeempfangs auf Schloss Elmau.

          G-7-Gipfel und Verkehrsprojekt : Wird Bayern von Berlin benachteiligt?

          Die CSU hat das Szenario oft beschworen: Wenn sie im Bund nicht mehr mitregiere, werde der Freistaat kaum noch Geld aus Berlin bekommen. Nun zeigt sich, dass die Befürchtungen nicht ganz unbegründet sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.