https://www.faz.net/-gpf-97npy

Raser-Urteil : Den Tod in Kauf genommen

Der vierte Strafsenat beim Bundesgerichtshof hat am Donnerstag das erste Mordurteil gegen Raser aufgehoben. Bild: dpa

Es ist schwer, Rasern die Bereitschaft nachzuweisen, andere töten zu wollen. Dennoch sollten sie sich nach der Entscheidung des Bundesgerichtshof nicht zu sicher fühlen. Ein Kommentar.

          1 Min.

          Wer mit 170 Kilometern pro Stunde durch die Innenstadt und über rote Ampeln rast, der kann trotz aller Selbstüberschätzung nicht ernstlich glauben, dass er einen Unfall wird vermeiden können, wenn ein anderes Fahrzeug kreuzt.

          Constantin van Lijnden

          Redakteur für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Den möglichen Tod anderer Verkehrsteilnehmer nimmt er billigend in Kauf. Das eigene Leben und – für Mitglieder der „Raserszene“ ähnlich wichtig – das eigene Fahrzeug möchte er hingegen nicht beschädigt sehen.

          Da die Bereitschaft, andere zu töten, in Raserfällen oft die kaum beweisbare Bereitschaft zum eigenen Tod einschließt, tut sich der Bundesgerichtshof mit der Feststellung des Vorsatzes schwer. Aber bestraft werden soll der Täter schließlich nicht wegen der einer möglichen Selbsttötung, sondern wegen der (tatsächlichen) Tötung anderer Verkehrsteilnehmer.

          Dass er diese ausgeblendet und jene in Kauf genommen hat, mag als kaum auflösbarer Widerspruch erscheinen.

          Die Karlsruher Entscheidung zu mehreren Fällen todbringender Raserei darf aber kein Signal der Entwarnung sein. Es handelt sich in jedem Fall um Untaten, die schwer zu bestrafen sind.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ruth Bader Ginsburg

          Amerikas Supreme Court : Ikone liberaler Rechtsprechung gestorben

          Sie war wohl die bekannteste Richterin der Vereinigten Staaten. Nun ist Ruth Bader Ginsburg gestorben. Präsident Trump bekommt damit die Chance, zum dritten Mal einen Richter für den Supreme Court zu nominieren.
          „Ich freue mich trotzdem“: Michael Leichtfuß geht zum Spiel der Eintracht, wenn auch ohne Freunde.

          Eintracht Frankfurt-Auftakt : Alle oder keiner?

          Unter den Fans der Eintracht gibt es vor dem ersten Heimspiel der Eintracht Diskussionen über die Rückkehr ins Stadion. Denn viele haben mit Fußballspielen, zu denen nur ein Teil der Zuschauer zugelassen werden, ein Problem.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.