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Raser-Urteil : Den Tod in Kauf genommen

Der vierte Strafsenat beim Bundesgerichtshof hat am Donnerstag das erste Mordurteil gegen Raser aufgehoben. Bild: dpa

Es ist schwer, Rasern die Bereitschaft nachzuweisen, andere töten zu wollen. Dennoch sollten sie sich nach der Entscheidung des Bundesgerichtshof nicht zu sicher fühlen. Ein Kommentar.

          Wer mit 170 Kilometern pro Stunde durch die Innenstadt und über rote Ampeln rast, der kann trotz aller Selbstüberschätzung nicht ernstlich glauben, dass er einen Unfall wird vermeiden können, wenn ein anderes Fahrzeug kreuzt.

          Constantin van Lijnden

          Redakteur für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Den möglichen Tod anderer Verkehrsteilnehmer nimmt er billigend in Kauf. Das eigene Leben und – für Mitglieder der „Raserszene“ ähnlich wichtig – das eigene Fahrzeug möchte er hingegen nicht beschädigt sehen.

          Da die Bereitschaft, andere zu töten, in Raserfällen oft die kaum beweisbare Bereitschaft zum eigenen Tod einschließt, tut sich der Bundesgerichtshof mit der Feststellung des Vorsatzes schwer. Aber bestraft werden soll der Täter schließlich nicht wegen der einer möglichen Selbsttötung, sondern wegen der (tatsächlichen) Tötung anderer Verkehrsteilnehmer.

          Dass er diese ausgeblendet und jene in Kauf genommen hat, mag als kaum auflösbarer Widerspruch erscheinen.

          Die Karlsruher Entscheidung zu mehreren Fällen todbringender Raserei darf aber kein Signal der Entwarnung sein. Es handelt sich in jedem Fall um Untaten, die schwer zu bestrafen sind.

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