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Jasper von Altenbockum (kum.)

Nebeneinkünfte : Markt der Moral

Karl Lauterbach und Annalena Baerbock Bild: Reuters

SPD und Grüne müssen nicht fürchten, dass sie unter den Generalverdacht gestellt werden, den sie CDU, CSU und FDP anhängen. Der Grund: Was den einen die Wirtschaft, ist den anderen die Moral.

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          Die jüngsten, verspäteten Meldungen von Nebeneinkünften bestätigen, dass es dabei nicht nur um Geld geht, sondern vornehmlich um politische Einkünfte. CDU, CSU und FDP haben es stets schwer, den Verdacht zu zerstreuen, es handele sich, weil solche Einkünfte angeblich oder tatsächlich das Mandat beflecken, um unlautere Geschäfte. Schwarze Schafe, auch wenn es nur eine Handvoll sind, gibt es schließlich genug.

          Grüne und SPD scheuten sich deshalb nicht, angesichts der Maskenaffäre von einem systemischen Problem der Union zu sprechen. Die Nähe von Union und FDP zu Wirtschaft und Selbständigen endet für ihre Abgeordneten auf diese Weise regelmäßig im Generalverdacht der unzulässigen Bereicherung.

          SPD und Grüne haben andere Probleme. Sie haben den Vorteil, im Ruf zu stehen, nur Gutes mit welchem Geld auch immer anzurichten. Besonders gerne wird deshalb darauf hingewiesen, wie hoch die Nebeneinkünfte von Abgeordneten der CDU und wie bescheiden doch die der Grünen seien. Das sagt über Art und Berechtigung der Nebeneinkünfte nichts aus, macht aber das schiefe Licht noch ein bisschen greller.

          Karl Lauterbachs „Riesenfehler“ wird sich also bald schon in Nichts auflösen, Annalena Baerbocks Corona-Bonus wird sich nicht als „grüner Filz“ niederschlagen. Baerbock wird sich nicht einmal dabei zurückhalten müssen, weiterhin vom „schwarzen Filz“ der CDU zu sprechen. Denn die einen haben es in der moralischen Marktwirtschaft „verdient“, die anderen nicht.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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