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Migration und AfD : Falsche Signale

Schüler einer Willkommensklasse in Berlin. Nicht überall sind Migranten so willkommen wie in der Friedenauer Gemeinschaftsschule. Bild: Picture-Alliance

Ist das paradox – oder gerade nicht? Wo wenige Ausländer wohnen, wird mehr AfD gewählt.

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          Ist das paradox – oder gerade nicht? Wo wenige Ausländer wohnen, wird mehr AfD gewählt. Eine neue Untersuchung macht freilich deutlich, dass das hiesige Wahlverhalten keineswegs einzigartig ist. Dabei sind Ostdeutsche, was Vorbehalte gegenüber Muslimen angeht, eher den Mittel- und Osteuropäern zuzurechnen. Und die Haltung der Westdeutschen gegenüber Einwanderern ist positiver als die anderer Westeuropäer. Einerseits wird deutlich, dass Migration eine gesamteuropäische Aufgabe ist. Andererseits muss berücksichtigt werden, dass die regionalen Unterschiede mit Blick auf die Akzeptanz von Nicht-EU-Ausländern groß sind.

          Eine ablehnende Haltung gegenüber Einwanderung kann viele Gründe haben: Angst vor Unbekanntem; der Wunsch, es möge alles so bleiben, wie es ist; schlechte persönliche Erfahrungen; Fremdenfeindlichkeit. Die Lösung kann nicht lauten, möglichst viele Migranten dorthin zu schicken, wo bisher kaum Ausländer leben. Denn auch die Leute in (scheinbar) multikulturellen und toleranten westlichen Großstädten sind nicht per se besser; sie sind an andere Umstände gewöhnt, die sie geprägt haben. Vor allem eine Lehre bleibt: Wenn man die Menschen gewinnen will, muss man versuchen, ihre Lage zu verstehen und sie zu überzeugen. Vorbehalte sind überwindbar. Die Flüchtlingskrise war auch ein Kommunikationsdesaster. Nach außen und innen sind die falschen Signale gesetzt worden. Das darf sich nicht wiederholen.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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