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Friedrich Merz : Witze von gestern

Versucht mit Herrenwitzen die Lacher auf seine Seite zu bringen: Friedrich Merz Bild: EPA

Friedrich Merz probierte sich am Donnerstag an einem Scherz auf Kosten von Frauen, der das Gegenteil von witzig und geistvoll war. Das wäre an sich nur sein eigenes Problem, hätte er nicht die Absicht bekundet, Kanzler zu werden.

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          Es gibt nicht genügend Frauen im Bundestag, in Vorständen und Aufsichtsräten, in den Leitungsebenen der Ministerien. Aber es geht voran. Frauen mit kleinen Kindern hören nur noch die Frage, warum sie so viel arbeiten, nicht mehr, warum sie überhaupt arbeiten. Dass der Herrenwitz es heute schwerer hat, empfinden auch viele Männer nicht als großen Verlust. Es ist fünfzig Jahre her, dass eine Abgeordnete erstmals im Hosenanzug eine Rede hielt und männliche Kollegen die Würde des Hohen Hauses verletzt sahen. Ein Land vor unserer Zeit.

          Doch nun probierte Friedrich Merz sich an einem Scherz auf Kosten von Frauen, der weder witzig noch geistvoll war, sondern glatt das Gegenteil. Wenn er nach einer Woche, die die CDU im Mark erschüttert hat, über „Tiefs mit Frauennamen“ spricht und damit auf Annegret Kramp-Karrenbauer anspielt, wäre das an sich nur sein eigenes Problem. Doch Merz hat die Absicht bekundet, Kanzler zu werden.

          Es stimmt zwar: Wer das Land führt, muss auch auf die Sorgen von Menschen achten, denen die Modernisierungen zu schnell gehen. Hier gibt es nach den Merkel-Jahren an manchen Stellen Nachholbedarf. Doch das ist etwas anderes, als Ressentiments zu bedienen, um die Lacher auf seine Seite zu bringen. Merz wird selbst nicht glauben, dass die „gute alte Zeit“, die in Wahrheit nicht für alle so gut war, zurückkommt. Wahrscheinlich will er das auch gar nicht. Aber er hat offenbar nicht verstanden, welche Verantwortung ein Staatsamt mit sich bringt.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

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