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Jasper von Altenbockum (kum.)

Debatte um Boris Palmer : Wenn sich rechte und linke Identitäre treffen

Boris Palmer Bild: dpa

Die Unversöhnlichkeit, mit der die Grünen Boris Palmer als „Rassisten“ verfolgen, ist nicht eine Marotte der Partei. Es zeigt, wie sehr die Gesellschaft auseinander driftet.

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          Die Unversöhnlichkeit, mit der die Grünen den „Rassisten“ Boris Palmer verfolgen, ist nicht eine Marotte der Partei. Es ist der Spiegel einer Gesellschaft, die auseinander driftet. Auf der einen Seite sammeln sich die Claudia Roths der Republik unter dem Banner der „Diversität“, die als „bunte“ Gesellschaft nurmehr Minderheiten anerkennen.

          Auf der anderen Seite verabschieden sich Angehörige der „Mehrheitsgesellschaft“, die sich übergangen fühlen, vom tonangebenden „Mainstream“. Im schlimmen Fall driften sie in ein Spektrum ab, das die Mehrheit zum diskriminierten Opfer einer linksliberalen Meute erklärt. Irgendwo treffen sich dann rechte und linke „Identitäre“ – die einen Minderheitenfetischisten, die anderen Mehrheitsfetischisten.

          Leute, die gegen „Rassisten“ kämpfen, merken dann gar nicht, wie sie im Kampf gegen den „alten, weißen Mann“ selbst zu welchen geworden sind. Und Leute, die gegen eine „Meinungsdiktatur“ streiten, merken gar nicht, wie sie selbst daran arbeiten. Beides stellt Grundpfeiler liberaler Demokratie in Frage: was Mehrheit, was Gleichheit, was Freiheit ist. Darauf zielt Boris Palmer. Es ist erstaunlich, dass es sich dabei, siebzig Jahre nach Verkündung des Grundgesetzes, um eine „Provokation“ handeln soll.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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