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Kommentar : Tornados über Syrien

Sechs deutsche Tornados sollen am Himmel über Syrien für Aufklärung sorgen. Bild: Picture-Alliance

Es ist richtig, dass Deutschland sich militärisch am Kampf gegen den „Islamischen Staat“ beteiligt. Wer eine Krake ins Jenseits befördern oder wenigstens dauerhaft lähmen will, darf nicht nur auf ihre Arme zielen.

          Gleich nach dem Terrorangriff auf Paris hatte Kanzlerin Merkel Frankreich im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus „jedwede Unterstützung“ zugesagt. Die Worte waren schnell gesprochen, die Taten brauchten etwas länger. Nun aber bekommt das von der üblichen Zögerlichkeit Deutschlands enttäuschte Paris auch die militärische Hilfe, die es sich von seinem engsten politischen Partner erhoffte. Berlin will zwar keine Jagdbomber, aber doch Aufklärer in den Himmel über Syrien schicken, dazu noch ein Tankflugzeug. Diese Maschinen werden es, so der Bundestag zustimmt, den Luftwaffen Frankreichs und der anderen Verbündeten erleichtern, den „Islamischen Staat“ noch besser zu bekämpfen als bisher.

          Der Beschluss der Regierung war unausweichlich, wenn die Feststellungen der vergangenen Tage nicht nur bedeutungsleeres Gerede gewesen sein sollen: dass die Anschläge uns allen galten und dass der „Islamische Staat“ mit militärischen Mitteln bekämpft werden muss, wie die Kanzlerin selbst sagte. Dem islamistischen Terror müssen die Demokratien des Westens geschlossen und mit aller Macht begegnen, da sie tatsächlich alle von ihm bedroht werden – und nicht nur sie. Wegducken schützt vor Selbstmordattentätern nicht. Ihnen muss mit anderen Mitteln als den Tornados das Handwerk gelegt werden. Doch wer eine Krake ins Jenseits befördern oder wenigstens dauerhaft lähmen will, darf nicht nur auf ihre Arme zielen.

          Um Syrien herum wird demnächst genügend militärisches Gerät vorhanden sein, um auch Treffer auf ihrem Kopf zu landen, selbst wenn Moskau dabei noch weniger mitmacht als bisher. Doch mangelt es den vielen Kriegsparteien nach wie vor an Einigkeit, zu welchem Zweck die massierte Militärmacht eingesetzt werden soll. Und was käme nach einem „Sieg“ über den IS?

          Zwei der Beteiligten, die Türkei und Russland, rutschten bei der Verfolgung ihrer gegensätzlichen Interessen schon in ein Duell hinein, das die Engländer nicht unpassend „dogfight“ nennen. In solche Lufthahnenkämpfe werden die deutschen Tornados nicht geschickt. Doch gänzlich ungefährlich ist die Mission auch für sie nicht. Man weiß, was der IS mit gefangengenommenen Piloten macht. Aber gerade das Monströse dieser Tat und der unzähligen anderen Verbrechen muss der freien Welt vor Augen führen, dass es auf die Kriegserklärung des „Islamischen Staates“ nur eine Antwort geben kann.

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