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Geheimdienstaffäre : Wie geschaffen für die SPD

Ein Schuss Antiamerikanismus kommt in Deutschland immer gut an - aber nicht eine Koalition, in der einer erkennbar den Streit sucht.

          In der Geheimdienstaffäre kommen die Begriffe inzwischen aus dem Hochregal. Der FDP-Vorsitzende Lindner meint, der Streit könne zu einem deutschen Watergate-Skandal werden. Auch der Oppositionsführer in der großen Koalition, Vizekanzler Gabriel, schreibt ihr das Potential einer „Staatsaffäre“ zu. Gleichzeitig versichert er, die Koalition werde bis 2017 halten. Das wird manchem in der Union unter den gegenwärtigen Umständen eher wie eine Drohung erscheinen.

          Zu deutlich tritt schon bei diesem Hickhack das Interesse der SPD zutage, die Kanzlerin schlecht aussehen zu lassen: als uninformiert, als Aussitzerin und als „Pudel“ der Amerikaner. Mit solchen Vorwürfen punktete die Sozialdemokratie in früheren Wahlkämpfen. Die Affäre ist wie geschaffen für die SPD, die verzweifelt nach Themen sucht, mit denen sich ihre Umfrageergebnisse verbessern lassen.

          Gabriel kann jetzt wie Schröder als Genosse der Bosse auftreten. Und ein Schuss Antiamerikanismus kommt in Deutschland immer gut an – aber nicht eine Koalition, in der einer den Streit sucht. Man wird sehen, wem das mehr schadet.

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