https://www.faz.net/-gpf-83h5x

Geheimdienstaffäre : Wie geschaffen für die SPD

Ein Schuss Antiamerikanismus kommt in Deutschland immer gut an - aber nicht eine Koalition, in der einer erkennbar den Streit sucht.

          1 Min.

          In der Geheimdienstaffäre kommen die Begriffe inzwischen aus dem Hochregal. Der FDP-Vorsitzende Lindner meint, der Streit könne zu einem deutschen Watergate-Skandal werden. Auch der Oppositionsführer in der großen Koalition, Vizekanzler Gabriel, schreibt ihr das Potential einer „Staatsaffäre“ zu. Gleichzeitig versichert er, die Koalition werde bis 2017 halten. Das wird manchem in der Union unter den gegenwärtigen Umständen eher wie eine Drohung erscheinen.

          Zu deutlich tritt schon bei diesem Hickhack das Interesse der SPD zutage, die Kanzlerin schlecht aussehen zu lassen: als uninformiert, als Aussitzerin und als „Pudel“ der Amerikaner. Mit solchen Vorwürfen punktete die Sozialdemokratie in früheren Wahlkämpfen. Die Affäre ist wie geschaffen für die SPD, die verzweifelt nach Themen sucht, mit denen sich ihre Umfrageergebnisse verbessern lassen.

          Gabriel kann jetzt wie Schröder als Genosse der Bosse auftreten. Und ein Schuss Antiamerikanismus kommt in Deutschland immer gut an – aber nicht eine Koalition, in der einer den Streit sucht. Man wird sehen, wem das mehr schadet.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Alles im Blick? Bundeskanzlerin Angela Merkel

          Deutschland wählt : Am Sonntag endet das „Wagnis“

          Mehr als 60 Millionen Deutsche können bis Sonntag den Bundestag wählen. In mancherlei Hinsicht ist diese Wahl außergewöhnlich.
          Für Bayern mehr als nur ein Volksfest: Wegen der Corona-Pandemie findet die Wiesn in diesem Jahr nicht in Festzelten, sondern als WirtshausWiesn statt.

          Hanks Welt : Wenn Bayern sich selbständig macht

          Ein Gedankenspiel über das Recht der Minderheiten – falls es nach dem Wahlausgang zu einer linken Regierung in Berlin kommen sollte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.