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Kanzlerin-Kommentar : Das Phänomen Merkel

Angela Merkel am Mittwoch nach ihrem Amtseid im Bundestag in Berlin Bild: AFP

In Zeiten, in denen in der Welt der politische Irrsinn um sich greift und Männer wie Trump, Putin und Erdogan mit Panzern, Atomraketen und Nervengift „spielen“, bleibt Deutschland lieber bei seiner schwäbischen Hausfrau. Aber auch ihre Zeit läuft ab.

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          Merkel muss weg! Dieser Schlachtruf erklang vor gut zwei Jahren nicht nur auf Pegida-Demonstrationen und AfD-Veranstaltungen. Er war, als der Zustrom von Migranten kein Ende zu nehmen schien, auch in der CSU zu hören (ziemlich weit oben) und sogar im Untergrund der CDU. Was Merkel vermutlich als eine Sternstunde ihrer Kanzlerschaft betrachtete – die aus ihrer Sicht den Geboten der Humanität folgende Öffnung Deutschlands für Flüchtlinge aus aller Welt –, entwickelte sich zur größten Belastung ihrer Popularität und Kanzlerschaft. Doch auch diese Krise überstand sie. Merkel ist, anders als viele ihrer Weggefährten und Konkurrenten, nicht weg, sondern immer noch da. Nun wurde sie zum dritten Mal als Bundeskanzlerin wiedergewählt. Mit vier Amtszeiten zieht sie mit ihrem früheren Förderer Kohl gleich. Das schafft man nicht aus Versehen.

          Es gibt Leute, die halten „Kohls Mädchen“ für „Honeckers späte Rache“: für eine Politikerin, der das Aufwachsen im Sozialismus bis heute anzumerken sei. Mancher Verschwörungstheoretiker gibt sich überzeugt, dass Merkel die Grenzen für unschließbar erklärte, weil sie dem Islam den Weg bereiten und das Volk austauschen wollte. Ausweislich der Umfragen glaubt die große Zahl der Deutschen, die eine Kanzlerin Merkel allen anderen Politikern vorziehen, die als möglicher Ersatz genannt werden, aber weder das eine noch das andere. Beides ist auch Unsinn. Merkel fremdelt mit allem, was in ihr einen Ideologieverdacht aufkommen lässt, und sei es das Wort „konservativ“.

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