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Jasper von Altenbockum (kum.)

„Zweiter Anlauf“ : Merkel und die Corona-Routine

Angela Merkel zusammen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (links) und dem Ersten Bürgermeister von Hamburg, Peter Tschentscher, am Donnerstag auf dem Weg zur Pressekonferenz Bild: AFP

Von der Dramatik des Frühjahrs sind Politik und Virologen heute weit entfernt. Neue Beschränkungen müssen sein – aber ein „zweiter Anlauf“, wie die Kanzlerin sagt, ist es nicht.

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          Es war das erste Mal nach langer Zeit, dass die Kanzlerin in Sachen Corona mit den Ministerpräsidenten tagte. Im Frühjahr, das im Bund-Länder-Verhältnis nicht immer harmonisch verlief, ging es noch um große Fragen: Müssen die Schulen, müssen die Kindergärten, müssen Geschäfte geschlossen bleiben? Ist der Urlaub in diesem Jahr möglich? Darf über Lockerungen überhaupt geredet werden?

          Von solcher Dramatik sind Politik und Virologen heute weit entfernt, auch wenn die Kanzlerin jetzt von einem „zweiten Anlauf“ sprach. Das klingt so, als stünden wir wieder im Februar.

          Es ging jetzt aber doch um Fragen wie: Wann frühestens darf eine Quarantäne für Urlauber, die aus einem Risikogebiet nach Hause kommen, durch einen Test beendet werden – nach fünf oder erst nach sechs Tagen? Bis wann gilt die Testpflicht? Oder: Wie hoch soll ein Bußgeld sein für Verstöße gegen die Maskenpflicht?

          Es gibt neue Problemlagen

          Solche Fragen, die sich mehr im Klein-Klein bewegen als im großen Ganzen, sprechen für Corona-Routine. Sie sprechen auch dafür, dass der „Hammer“ gegen die Pandemie im Frühjahr richtig war, weil jetzt im „Tanz“ mit dem Virus im Lichte der Erfahrungen besser abgewogen werden kann.

          Niemand käme heute auf den Gedanken, Baumärkte zu schließen, Spielplätze zu sperren oder flächendeckend Schulen zu schließen. Die Aufregung über „Verschärfungen“ ist deshalb eine künstliche: Es gibt neue Problemlagen, vor allem im privaten Bereich. Neue Beschränkungen müssen sein, aber ein „zweiter Anlauf“ ist es nicht.

          Für all diejenigen, die von fortgeltenden Verboten betroffen sind, vor allem die Organisatoren von Konzerten, Theater und von „Großveranstaltungen“, ist das ein enttäuschendes Signal. Sie beteuern, Hygieneregeln einhalten zu können, werden vorläufig aber für die Glaubwürdigkeit der Corona-Politik in Haftung genommen. Erlaubte man ein Konzert mit Hunderten von Besuchern, müssten auch die Fans wieder in die Fußballstadien dürfen. Und so weiter.

          Die Ministerpräsidenten werden sich dennoch die Entscheidung über Obergrenzen für Partys oder Konzerte nicht aus der Hand nehmen lassen. Was als Experiment in Leipzig möglich war, ein Konzert mit mehr als tausend Besuchern, wird Kreise ziehen. Auch das gehört eines Tages zur Corona-Routine.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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