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Kommentar : Opfer Bundeswehr

Verteidigungsministerin von der Leyen mit Soldaten in Altenstadt Bild: Reuters

Gemessen daran, dass von verschiedenen Seiten an ihnen gezerrt wird, leisten viele Soldaten Beachtliches. Aber wie lange kann ihnen das bei chronischer Unterfinanzierung noch gelingen?

          Die Bundeswehr braucht vor allem eine ruhige, verlässliche Führung – gerade weil die Welt in Unruhe ist. Doch sind die Streitkräfte nicht nur an mehreren Konfliktherden außerhalb der Landesgrenzen gefordert. Die Soldaten sind auch Opfer ständiger Reformen und einer chronischen Unterfinanzierung. Dabei ist Einsatzbereitschaft nicht nur eine Frage des Geldes.

          Aber die Bundeswehr, die strikt dem Primat der Politik folgen muss, hat einen Anspruch darauf, dass sie für die ihr zugewiesenen Einsätze so ausgerüstet ist, dass sie ihren Auftrag erfüllen kann. Wenn die Sicherheit Deutschlands am Hindukusch oder in Afrika verteidigt werden soll, dann muss das Parlamentsheer dazu auch materiell und personell in die Lage versetzt werden. Das gebietet das Wohl des Landes, aber auch die Fürsorgepflicht gegenüber den Soldaten.

          Leider muss sich die Bundeswehr auch im Innern verteidigen. Wer jede Härte in der Ausbildung pauschal unter Missbrauchsverdacht und die Truppe generell unter den Verdacht eines latenten Extremismus stellt, auch der untergräbt die Sicherheit des Landes und des Bündnisses. So wichtig es ist, sich zum wiederholten Male mit der Traditionspflege zu befassen: Der groß angelegte Bildersturm, mit dem nahezu jede Erinnerung an frühere deutsche Streitkräfte und Soldaten getilgt werden sollte, war keine vertrauensbildende Maßnahme der politischen (und militärischen) Führung gegenüber den ihr anvertrauten Soldaten. Die Mühe, die in einen glattgebügelten Traditionserlass gesteckt wird, sollte auch einmal in Ziele und Ausrüstung der Streitkräfte investiert werden.

          Gemessen daran, dass von verschiedenen Seiten an ihnen gezerrt wird, leisten viele Soldaten Beachtliches. Auch in der Nato. Aber wie lange noch? Die Bundeswehr ist kein Dienstleistungsbetrieb, kein Arbeitgeber wie jeder andere. Deshalb müssen auch Versuche scheitern, die Streitkräfte in jeder Hinsicht arbeitnehmerfreundlich zu gestalten. Das führt erst recht zu Gejammer und den falschen Bewerbern.

          Nein, es muss gelingen, die Besten für diese einzigartige Aufgabe zu gewinnen, das Gemeinwesen zu schützen. Doch wer entscheidet sich noch für den Dienst an der Waffe in einer Einrichtung, die von den Dienstherren wie ein notwendiges, aber im Grunde lästiges Beiwerk behandelt wird?

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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