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Kommentar : Ohne Fußball, ohne Gott

Ungehemmte Gewalt: Ein Mann wirft am Sonntag in Köln während der Hooligan-Demonstration mit einem Fahrrad Bild: Reuters

Da mögen angebliche Fußballfans und Extremisten gegen vermeintliche Salafisten demonstriert haben – doch im Grunde sind sich alle ziemlich einig: Gewalt ist ihr Lebenszweck. Dagegen muss der Staat vorgehen, das aber konsequent.

          Sind das nicht alles Hooligans, also Schläger und Kriminelle, die da auf Kölns Straßen randalierten? Da mögen angebliche Fußballfans und Extremisten gegen vermeintliche Salafisten demonstriert haben – doch im Grunde sind sich alle ziemlich einig: Gewalt ist ihr Lebenszweck. Das heißt freilich nicht, dass solche Schlachten mit Fußball und Religion gar nichts zu tun hätten.

          Unter dem Banner von Vereinen und anlässlich von Fußballspielen treten Hooligans an und auf die Gegner ein. Ihr größter Feind ist dabei die Polizei – letztlich die öffentliche Ordnung, also die Gemeinschaft aller friedliebenden Bürger. Der Fußball bietet die Kulisse, um sich in der wogenden Masse gewaltsam auszuleben.

          Auch Religion bietet Gelegenheit und geschützten Raum zur massenhaften Ekstase. Gewalttätern dient sie als Deckmantel für Hass auf andere. Deckmantel – denn eigentlich findet die Betätigung einer Weltanschauung ihre Grenze in den Grundrechten anderer.

          Dabei wird das Ausüben der Religion von der Verfassung stärker geschützt als der Besuch eines Fußballspiels. Und hier liegt durchaus ein Problem – wenn nämlich unter Berufung auf eine Religion „Heiliger Krieg“ geführt und die großen Freiheit hierzulande gezielt genau dazu genutzt wird.

          Es bleibt gewiss richtig, die einzelnen Gruppen von Verfassungsfeinden sorgsam zu unterscheiden und zu beobachten. Aber das Hochamt des Verfassungsschutzes darf auch nicht dazu führen, dass der entscheidende gemeinsame Nenner übersehen wird: die Gewalt gegen uns alle.

          Zeichen, Symbole und Sympathiewerbung sind nicht deshalb fragwürdig, weil sie für eine „falsche“ Religion oder historische Fehldeutungen stünden. Hier hat ein freiheitlicher Staat nichts vorzuschreiben.

          Nein, solche Bekundungen sind nur dann legitimerweise zu untersagen, wenn sie zu Hass und Gewalt aufrufen, Mörderbanden verherrlichen oder aggressiv Propaganda für Verbrecher machen, die alle Freiheit Andersdenkender beseitigen wollen.

          Dagegen muss der Staat vorgehen, das aber auch konsequent. Leider hat sich die große wie die kleine Politik jahrzehntelang auf selbst inszenierten Staatsdemonstrationen gegen mitunter nur eine Handvoll Kostüm-Nazis verkämpft – und es unterlassen, gewalttätige braune wie schwarze Blöcke auseinanderzunehmen. Es wird Zeit.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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