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Kommentar : Ökumenischer Abschied

Nichts kann der verstörenden Vernichtungstat auch nur irgendetwas von ihrem Unheil nehmen. Doch beim Ökumenischen Trauergottesdienst und dem Staatsakt für die Opfer des Germanwings-Absturzes konnte sich jeder angenommen und geborgen fühlen.

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          Staatsakt in Bonn, Pontifikalrequiem im Kölner Dom – so nahm die Welt im April 1967 Abschied von Konrad Adenauer. Schon jetzt sei er in die Geschichte eingegangen, sagte der Bundespräsident über den Mann, dessen Leben sich im 92. Jahr vollendet hatte. Ökumenischer Trauergottesdienst im Kölner Dom, anschließend Staatsakt – so nimmt Deutschland Abschied von den Opfern des Flugzeugabsturzes vom 24. März, die mitten aus ihrer oft noch jungen Lebensgeschichte gerissen wurden, die nicht ihr Leben in Gottes Hand zurückgaben, nicht an der Hand ihrer Lieben starben, sondern von der Hand eines Menschen in einen Tod gerissen wurden, den dieser für sich gesucht hatte.

          Auch für diesen einen war eine Kerze entzündet, kein Unterschied gemacht worden zwischen dem einen Täter und seinen 149 Opfern. Nicht, dass im Tod alle gleich sein sollten. „Jeder Mensch verdient unser Gebet“, so hatte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki schon am Morgen den Ton angeschlagen, der den ganzen Tag nachklingen sollte – ohne damit der „verstörenden Vernichtungstat“ (Gauck) auch nur irgendetwas von dem Unheil zu nehmen, das sie über Eltern, Kinder, Verwandte, Freunde und Kollegen gebracht hat, noch dem Bösen, das niemals ganz zu erklären und niemals ganz aus der Welt zu schaffen sein wird, seinen Schrecken. Doch was dann? Gebet – ein Wort so alt wie die Menschheit für das Einstehen miteinander und füreinander im Horizont eines Gottes, der größer ist als alles Böse, in dem nichts verloren ist, was je gut und lieb war, in dem ewiges Leben ist in der Sprache der Christen. „Kann man das glauben?“ Auch diese Worte hallten am Freitag im Kölner Dom wieder. Niemand muss es nicht, manche konnten es nie, manche schaffen es womöglich seit dem 24. März nicht mehr. Aber auch das ist die Botschaft dieses Freitags: Man darf es. Denn die Christen glauben nicht an den lieben Gott, sondern den Gott der Liebe, der in seinem Sohn Jesus Christus mit den Menschen gelitten hat.

          „Wir Christen“, sagte Woelki, ohne sein Gebet oder gar seinen Glauben auch nur einem der Anwesenden aufzudrängen. Auch wer nicht „wir“ sagen konnte an diesem Freitag, sollte sich angenommen und geborgen wissen. Dort, wo Menschen seit den Tagen der Spätantike miteinander füreinander einstehen, mal glaubend, mal zweifelnd, mal stellvertretend, mal direkt. Für die Toten und die Lebenden.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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