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Kommentar : Staatsgläubige Nichtraucherlobby

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Die Nichtraucherfront in Berlin sieht sich in ihrem Begehren nach Verbots- und Zwangsmaßnahmen am Ziel. Selten ist ein Streit im Binnenbetrieb der politischen Macht mit dermaßen bedingungsloser Härte geführt worden. Ein Kommentar von Günter Bannas.

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          Die Nichtraucherfront unter den Politikern - voran diejenigen, die früher selbst geraucht haben - sieht sich in ihrem Begehren nach Verbots- und Zwangsmaßnahmen am Ziel. Die Betreiber der Kampagne freuen sich um so mehr, als sie das Vorhaben gegen den Widerstand ihrer immer ängstlicher werdenden Führungen durchgesetzt haben. „Die Zeit freiwilliger Lösungen ist vorbei“, verkündeten Bundesgesundheitsministerin Schmidt (SPD) und Verbraucherschutzminister Seehofer (CSU).

          Sie setzen darauf, daß diejenigen Ministerpräsidenten, die noch auf freiwillige Lösungen setzen, in den kommenden Monaten so unter Druck geraten, daß sie im fundamentalistisch geführten Streit nachgeben werden. Nicht einmal die bayerischen Bierzelte werden vom teutonischen Furor ungeschoren bleiben - hat Seehofer doch schon die Gefahren des Zigarettenqualms mit den Rückständen von Asbest auf eine Stufe gestellt.

          „Qualmender Flickenteppich“

          Selten ist eine Auseinandersetzung im Binnenbetrieb der politischen Macht mit dermaßen bedingungsloser Härte geführt worden. Jegliche Suche nach Vereinbarungen unter freien Bürgern, die den Regeln des Marktes Vorrang geben wollen, wurde mit dem Argument erschlagen, es dürfe der „Zigarettenlobby“ nicht nachgegeben werden. Daß sich längst die Fluglinien - freiwillig - auf Rauchverbote in ihren Maschinen verständigt haben, spielte keine Rolle mehr. Sogar der verfassungsrechtliche Grundsatz der Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse in Deutschland wurde bemüht: Die Bundesrepublik dürfe kein „qualmender Flickenteppich“ werden.

          Viel Rauch um den glimmenden Stengel

          Es ist wenig dagegen zu sagen, daß Rauchen in Krankenhäusern, Kindertagesstätten oder Schulen verboten sein soll - wenngleich die Lehrer, die das bei zumeist Minderjährigen durchzusetzen haben, mit ihrer Arbeit („ernsthaftes Gespräch“) von den Gesetzgebern allein gelassen werden.

          Das war schon früher in den sechziger Jahren so, als die heutigen Kampagnenführer heimlich - Frau Schmidt und Seehofer werden noch wissen, wo - ihrem Laster nachgingen. Nun behaupten sie, es gehe nicht um das Vorschreiben eines Lebensstils. Doch soll diese Freiheit auf die eigenen „vier Wände“ beschränkt werden. Überall sonst soll - so will es die Nichtraucherlobby - das Diktat des Staates gelten, wie die Menschen zu erziehen seien.

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