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Kommentar : Nicht im Hinterhof

Ein Zeichen der voranschreitenden Islamisierung Deutschlands? Die ersten, die den Vertrag des Hamburger Senats mit den muslimischen Verbänden begrüßten, waren die Kirchen.

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          Diese Nachricht wird die Wellen der Erregung auch noch weit im Binnenland hochschlagen lassen: Die Freie- und Hansestadt Hamburg führt muslimische Feiertage ein. Es handelt sich zwar nicht um gesetzliche, sondern „nur“ um religiöse Feiertage. Hamburger Christen müssen also auch dann, wenn Senat und Bürgerschaft dem Vertrag mit den islamischen Verbänden zustimmen, künftig nicht das Opferfest begehen. Nicht wenige Deutsche aber werden diese Übereinkunft als weiteres Zeichen des Zurückweichens vor der „Islamisierung“ Deutschlands ansehen.

          Tatsächlich stellt mit diesem Vertrag auch erstmals ein Bundesland das Ramadanfest auf eine Stufe mit dem Reformationstag und Fronleichnam. Um sich darüber erregen zu können, muss man allerdings wissen, was den Protestanten die Reformation ist und was Fronleichnam den Katholiken. Die Zahl der Deutschen, denen christliche Feiertage mehr bedeuten als die gegebenenfalls mit ihnen verbundene Freizeit, geht freilich ständig zurück. So verbindet sich die laute Empörung über die Ausbreitung des Islams mit dem stillen Leiden an der schwindenden (Binde-)Kraft des Christentums und der zu ihm gehörenden Kultur in Deutschland.

          Es ist kein Zufall, dass die ersten, die den Vertrag mit den muslimischen Verbänden begrüßten, die beiden Kirchen waren. Sie kämpfen darum, in Zeiten der voranschreitenden Verweltlichung nicht noch mehr an Boden (und Feiertagen) zu verlieren. In dieser Not wird ihnen auch der Islam zu einem Verbündeten.

          Wie aber umgehen mit den Millionen Muslimen, die in Deutschland leben und das vom Grundgesetz verbürgte Recht der Religionsfreiheit genießen, im Sinne des Wortes? Der Grundfehler der deutschen Ausländer- und Einwanderungspolitik war es, jahrzehntelang die Augen vor Integrationsverweigerung und Segregationsprozessen zu verschließen. Staat und Gesellschaft dürfen nicht darauf bauen, dass die Eingewanderten sich schon von allein einfügen.

          Dafür müssen Strukturen geschaffen und Regeln (durch-)gesetzt werden. Das fängt beim Erlernen der deutschen Sprache an und hört beim Religionsunterricht an den staatlichen Schulen nicht auf. Die Schule aber ist der Ort, an dem mehr denn je über die Zukunft von Kindern (mit und ohne „Migrationshintergrund“) und damit auch über das Schicksal von Gesellschaften entschieden wird. Diese Entscheidung darf man nicht Hinterhofpredigern überlassen.

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