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Kommentar : Kurt Beck - der Deichgraf

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Noch bleibt offen, wohin Kurt Beck die SPD führen wird. Oder die SPD ihn? Die Schleusentore der Agenda 2010 wollte Beck bisher nicht öffnen - aber den Schröderschen Damm hat er zur Druckverminderung an einer Stelle höchstpersönlich durchstochen. Berthold Kohler kommentiert.

          Das Bessere ist des Guten Feind: Dieser Satz kann Sozialdemokraten den Atem stocken lassen, zumal, wenn er auf einem Parteitag fällt. Doch ist Hamburg nicht Mannheim und das Parteimitglied, das am Freitag diesen Aphorismus aussprach, war nicht Oskar Lafontaine, sondern der ehemalige Kanzler und SPD-Vorsitzende Schröder. Der hat sich längst vollumfänglich einer anderen Karriere zugewandt.

          Doch harmlos war die Bemerkung nicht. Der Feind des Guten sei das Bessere, aber „nicht das Populäre“, sagte der Schöpfer der Agenda 2010, die der gegenwärtige Parteichef Beck nach seinem eigenen Antlitz runder und weicher formen will. Es scheint, als sei Müntefering nicht der Einzige in der SPD, der Becks neue soziale Großzügigkeit für eine riskante Sache hält, staatspolitisch wie parteistrategisch.

          Beck gibt dem Begehren der Partei nach

          Doch mehrheitlich sucht die von vielen Wahlniederlagen ausgezehrte Partei derzeit lieber den raschen Gewinn als anerkennende Vermerke in den Geschichtsbüchern der Zukunft. Beck, der nur schwer in das höchste Parteiamt hineinfand, verweigerte sich diesem Begehren nicht.

          Das hat ihm die SPD in Hamburg mit 95 Prozent gedankt. Zu einem mythischen Moment im langen Leben der Partei geriet seine Wiederwahl dennoch nicht.

          Das übliche Pflichtprogramm

          Die Sehnsucht der SPD nach einem charismatischen Führer wie Brandt kann Beck nicht ganz befriedigen. Auch zum Auftakt des von ihm „historisch“ genannten Programmparteitags lieferte er nur das übliche Pflichtprogramm zum Schließen der eigenen Reihen ab; das geht immer noch am leichtesten durch Angriffe auf den Koalitionsgegner.

          Doch weiß die Partei, die schon viele Vorsitzende verschliss, wie erschöpft ihr Vorrat an Leitungspersonal ist. Und dass man sich mit den Kadern arrangieren muss, die man hat. Das zeigen auch die Wahlergebnisse der Stellvertreter. Steinmeier ist nun nicht mehr nur heimlicher Kronprinz.

          Noch bleibt offen, wohin der Pfälzer die SPD in den nächsten zwei Jahren führen wird. Oder die SPD ihn? Die Schleusentore der Agenda 2010 wollte Beck bisher nicht öffnen - aber den Schröderschen Damm hat er zur Druckverminderung an einer Stelle höchstpersönlich durchstochen.

          Das ist unser Deichgraf!, ruft die SPD, weil er für beides steht, das Halten und das Nachgeben. Wie auch die Gräfin auf dem anderen Wall. Ihr „Wankelmütigkeit“ vorzuwerfen klingt freilich so, als habe Beck hoch zu Schimmel das Fernglas mit dem Spiegel verwechselt.

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